Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 85 schon früher gegeben hätte. Es handelt sich hiebei um ein beim Reichs­und Erblandprotektor bestehendes Amt. Der Kardinalprotektor hatte, wohl ähnlich wie die päpstlichen Nuntien noch heute, zur Erledigung der lau­fenden Arbeiten einen Uditore in seinen Diensten, der sich entsprechend der Stellung des Protektors Uditore Cesareo nennt. Seit der Wieder­errichtung einer ständigen diplomatischen Vertretung des Kaisers in Rom zu Ende des 17. Jh. und der im 18. Jh. fast regelmäßigen Koppelung des Protektorates oder Komprotektorates mit derselben 187 *) wird der kaiser­liche Auditor auch Beamter der Botschaft und ihr kirchlicher Rechts­konsulent. Der erste kaiserliche Auditor, der aus den Akten nachgewiesen werden kann und der neben der Auditorstelle auch eine ausgebreitete Agenten­tätigkeit 18s) entfaltete, ist der Neffe des Rotaauditors Motmann, Wilhelm Theobald Motmann, der sich 1652 auf sein Kanonikat in Flandern be­gab189). Auf ihn folgte Pietro Giacomo Favilla, in dessen Familie das Amt dann einige Zeit verblieb. Es steht nicht dafür, dieser völlig untergeord­neten Stelle in allen Einzelheiten nachzuspüren, ihre Funktion tritt am deutlichsten zutage bei der unter Kardinal Michael Althan 1721 durch­geführten Umorganisation 19°) der Botschaftsämter, denn im Zuge dieser Maßnahmen erhielt auch dieses kaiserliche Auditoriat eine festumrissene Gestalt. Kardinal Althan war für die Neubelebung dieses Amtes einge­treten: insinuai alia M. V. sotto li 10 xbre la necessitá di costituire qui un auditore perpetuo della Protettoria e Comprotettoria di Germania e del Ministero Cesareo 191). Er präsentiert dem Kaiser für diese Stelle seinen ehemaligen Adjutor Studii und Konklavisten Giuseppe Emidio Grassi192). 187) Vgl. Richard Blaas, Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichischen Nation im 18. und 19. Jh. in Mitteilungen des Österr. Staats- Staatsarchivs Bd. 10 (Wien 1957), S. 152 ff. 188) Agent im Sinne von Förderer kirchlicher Geschäfte an der Kurie. Vgl. Richard Blaas, Die k. k. Agentie für geistliche Angelegenheiten in Mitteilungen des österr. Staatsarchivs Bd. 7 (Wien 1954). 189) St. K. Rom, Varia Fasz. 8, Ernennung des Pietro Jacobo Favilla zum Auditor für Ungarn und die Erbländer. 19°) Eine Frucht dieser Reorganisation war auch das Amt der k. k. Agen­tie für geistliche Angelegenheiten, dessen geschichtliche Entwicklung in dem in Anm. 188 genannten Artikel dargestellt ist. Diese Darstellung bedarf aber einer Korrektur bezüglich des zeitlichen Ansatzpunktes. Nach den im Reichshofrat, Miscellanea Gratialia Fasz. 68 aufgefundenen Agentie-Akten war der erste an der Botschaft angestellte k. k. Agent nicht der 1730 ernannte Anton Cerovacz de Benzoni, sondern der bereits am 3. I. 1720 mit kais. Dekret ernannte Johann Franz Bessel. — Es war zwar bereits 1674 einmal ein kaiserlicher Agent er­nannt worden, der Kanonikus Polydorus Pasquini aus Ferrara, doch kann er noch nicht als Botschaftsangehöriger angesprochen werden. 191) Reichsarchive, Reichshofrat, Miscellanea Gratialia Fasz. 68. Kard. Althan an Kaiser Karl VI. Juli 1721. 192) Reichsarchive, Reichshofrat, Miscellanea Gratialia Fasz. 68, Uditorato Cesareo. Kard. Althan an Kaiser Karl VI. Juli 1721: ... Giuseppe Emidio

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