Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 83 aber ist das in seinem DiariumX8S) überlieferte Werk Sacrae Romanae Rotae Praxis, das für die Geschichte der Rota außerordentlich wertvoll ist und auf das alle späteren Darstellungen zurückgegriffen haben 183 184). Seinem am 2. Sept. 1696 erfolgtem Abgang widmet das Rotadiarium einen Nach­ruf voll des Lobes, in dem seine Verdienste auf das eindringlichste ge­würdigt und mit besonderer Betonung seine Eignung für die höchsten kirchlichen Würden hervorgehoben wird: tandem maioribus dignitatibus, quas, si ex temporum contingentiis non obtinuit, omnium tarnen votis promeruit185). Diese Anspielung auf das politische Zerwürfnis zwischen Auditor Emerix und der kaiserlichen Regierung, das ihm, dem Dekan der Rota, den Kardinalshut kostete, weist auf eine Entwicklung hin, die am Ende des 17. Jh. in der personellen Besetzung des kaiserlichen Auditoriats an der Rota einen völligen Umschwung herbeiführte. Ausgelöst wurde die Um­gruppierung durch Vorkommnisse an der deutschen Nationalstiftung S. Maria dell’Anima, an der durch das Eingreifen des kaiserlichen Gesand­ten die Vorherrschaft des belgisch-niederländischen Elementes gebrochen und die Stiftung ihrer bisherigen Selbstständigkeit beraubt und der kaiser­lichen Oberaufsicht unterstellt wurde186). Die enge Verbindung zwischen Anima und Auditoriat, auf die wiederholt schon hingewiesen wurde, und die Stärkung des deutschen und vor allem des österreichischen Einflusses bei dieser Stiftung hatten ihre Rückwirkungen auch auf die Besetzung des kaiserlichen Auditoriates, in das nun fast ausschließlich Erblandunter­tanen einrücken und die Lütticher, Nieder- und Oberdeutschen völlig ver­drängen. Die wahren Wurzeln dieser Vorgänge liegen im damals herr­schenden Gegensatz zwischen Frankreich und dem Reich, dem allmählichen Hinübergleiten des spanischen Zweiges der Casa d’Austria in den fran­zösischen Einflußbereich. Das alles zusammen mit dem immer ausgepräg­ter in Erscheinung tretenden Staatsabsolutismus erzeugte eine starke Empfindlichkeit in nationalen Belangen. Die Niederländer (Wallonen und Flamen der spanischen Niederlande) und die Lütticher, die an der Kurie das deutsche Element, geschwächt durch Reformation und Dreißigjährigen Krieg, ganz zurückgedrängt hatten, waren natürlicher Weise nach Geburt, Sprache und Erziehung dem französischen Einfluß leichter zugänglich. 183) Hermann Hoberg, Die Diarien der Rotarichter in Röm. Quartalschrift 50. Bd. (Freiburg 1955), S. 58. 184) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 506. „Scribsit opusculum super stylis S. R. Rotae, quod typis evulgatum est, inscribitur: Sacrae Rotae Romanae Pra­xis. — Illius Diarium summopere est laudandum atque históriáé Tribunalis perutile.“ 185) Ebenda. Bezüglich der Grabstätte in S. Maria dell’Anima vgl. Schmid- lin, Anima S. 502. Vgl. auch A. Hudal, S. Maria dell’Anima, Die deutsche Nationalkirche in Rom (Rom 1928), S. 49 ff. Die Grabdenkmäler; Lohninger, a. a. O., S. 120, Bild 27. 186) Vgi Schmidlin, Anima S. 545 ff. Der Gewaltstreich von 1697. 6*

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