Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
82 Richard Blaas können, wobei ihm noch das Privileg erteilt wurde, auch weiterhin aller Vorrechte der Rotarichter teilhaftig zu bleiben177). Ziemlich bald nach vollzogener Amtsübertragung starb der kaiserliche Auditor Johann Emerix und fand, wie schon viele seiner Vorgänger, in der Animakirche seine letzte Ruhestätte178). Daß diese ungewöhnliche Amtsübertragung kein anrüchiger Nepotismus war, konnte Jakob Emerix von Matthys sehr bald unter Beweis stellen, denn er gehört ohne Zweifel zu den hervorragendsten Vertretern im kaiserlichen Auditoriat, der sich auch in der Geschichte der Rota einen ehrenvollen Platz sichern konnte. Jakob de Matthys, der sich wohl aus Dankbarkeit und Verehrung für seinen Oheim stets Emerix de Matthys nannte, wurde am 10. Dezember 1668 in die Rota aufgenommen und zwar nicht auf dem üblichen Weg durch ein Motuproprio, sondern auf Grund der päpstlichen Akzeptation des Verzichtes seines Oheims auf die Rotastelle179). Er war ein ausgezeichneter Rechtsgelehrter und erfahrener Kurialist. Seine langjährige Tätigkeit an der Rota, er gehörte ihr 28 Jahre an, führte ihn bis an die Spitze dieses Gerichtshofes, als er nach dem Tode des Rotadekans Albergati am 14. Juli 1686 dessen Amt übernahm180). Das Dekanat der Rota galt als posto cardinalizio und Emerix hätte dieses sein höchstes Ziel wohl auch erreicht, wenn er sich nicht durch seine franzosenfreundliche Haltung zur Zeit des französischen Einfalles ins Rheinland die Gunst des Kaisers verscherzt hätte181). Die hervorragende Stellung, die sich der kaiserliche Auditor an der Kurie geschaffen hatte, bezeugen die verschiedenen hohen Ämter, die er neben seinem Richteramt bekleidete182). Sein Hauptverdienst und das bleibende Denkmal seiner Tätigkeit an der Rota 177) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 498. „Renunciavit ad favorem Jacobi nepotis. Rotae valedixit die 23 Jan. 1668 et Papa sub die 1 Febr. 1668 illi con- cesserat omnia privilegia Auditorum retinere. 178) Johann Emerix starb am 16. März 1669. Über das Begräbnis und die Grabstätte vgl. Schmidlin, Anima S. 502; Lohninger, a. a. O., S. 121, Bild 28. 179) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 506. Notandum-seribit ipse in Diario- est, gratiam meam fuisse conceptam non in forma Motusproprii juxta solitum, quando fit provisio Auditoratus per mortem vel per promotionem, sed in forma resignationis, prout debebat, dum fiebat ad meam et avunculi mei supplicationem. Apertum fuit illi os die 10 dec. 1668, quando Joannes jam exierat de Rota. 180) Ebenda. „Evectus ad decanatum die 14 julii 1686 per obitum b. m. Albergati.“ 181) Sigismund Bischoffshausen, Papst Alexander VIII. und der Wiener Hof (1689—1691), Wien 1900, S. 77, 137. 182) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 506. „Sedit cum maxima laude et exi- stimatione in Tribunali S. Rotae 28 annis, post quam per 10 alios opem prae- buerat ejus avunculo tanquam adiutor studii; per annos 6 fuit zelantissimus Regens S. Poenitentiariae; per 12 S. et U. Inquis. consultor; Episcoporum examinator in iure canonico; S. C. Rituum ac Reformationis Votans et ad negocia extra ordinaria frequenter evocatus.“