Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 81 Ihrer Babstl. Heyl. Selbsten durch den vorigen undt jezigen nuntium, wie auch von ihrer Maj. der römischen Khaiserin unserer aller gnädigsten Frawen sonders eyfrig dlarzue vor disem recommendirt worden undt noch recommendirt wirdt1’’1). Mit der kaiserlichen Entschließung vom 14. Juni 1659 fand die durch Jahre hinausgezögerte Besetzung des kaiserlichen Auditoriates für Johann Emerix den ersehnten Abschluß 171 172). Johann Emerix, aus Lüttich gebürtig, war schon jahrelang an der Kurie tätig und bekleidete zur Zeit seiner Ernennung zum kaiser­lichen Auditor bereits das Amt eines Brevenpräfektes und stand auch schon seit 1648 öfters an der Spitze der Leitung der deutschen National­kirche173). Die Aufnahme in die Rota erfolgte am 30. April 1660 174). Er zählte zu den angesehensten deutschen Prälaten Roms. Emerix, der an sich selbst erfahren hatte, wie schwer es ist, im Konkurrenzkampf gegen andere Kandidaten das kaiserliche Auditoriat zu erringen, versuchte, die Nach­folge noch zu seinen Lebzeiten in seinem Sinne zu regeln. Daß ihm dies schließlich auch tatsächlich gelang, bezeugt mehr als alle Lobsprüche das Ansehen, das er bei Kaiser und Papst genoß. Er hatte sich schon seit lan­gem seinen Neffen Jakob Emerix de Matthys zu seinem Amanuensis erzogen und ihn allmählich in seine Ämter eingeführt. Zunächst erwirkte er beim Kaiser die Zustimmung zur beabsichtigten Amtsübertragung. Am 18. April 1665 wurde das Dekret für Jakob Emerix de Matthys ausgestellt, in dem ihm die Nachfolge garantiert wird175). Nachdem der kaiserliche Audi­tor von dieser Seite her die Nachfolge geregelt hatte, versuchte er nun­mehr die Zustimmung des Papstes zu dem Amtstransfer zu erlangen. Diese umgewöhnlidhe und wohl auch ziemlich einzigartige Vererbung einer Richterstelle bei der Rota zu Lebzeiten scheint zunächst keine geneigte Aufnahme beim Papste gefunden zu haben. Noch 1667 mußte Emerix die kaiserliche Intervention sich erbitten, um die Widerstände an der Kurie gegen diese Art Amtsübertragung überwinden zu können176). Erst nach­dem der Kardinalprotektor des Reiches neuerlich für den Vorschlag ein­geschritten war, erhielt er vom Papste die Ermächtigung, unter Bei­behaltung der Brevenpräfektur sein Auditoriat dem Neffen abtreten zu 171) 1. c. Vortrag des Reichshofrates: Auditoratus Rotae in puncto nomi- nationis. Guetachten der deputirten Räthe. 172) 1. c. Ebenda. Lectum in consilio secreto die H Junii A. 1659 und haben Ihre kais. Maj. sich allergnädigst auff den Emerix resolvirt. — Vom gleichen Datum das kais. Reskript an Emerix mit der Mitteilung seiner Ernen­nung. Ebenda Dankschreiben des Emerix vom 18. Juli 1659. 173) Schmidlin, Anima S. 479. 174) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 498. 175) St. K. Rom, Varia Fasz. 9, Konv.: Ernennung des Jakob Emerix de Matthys zum Auditor Rotae. — Decretum pro Dom. Jacobo Matthysio, 18. ápri­lis A. 1665. 176) 1. c. Auf das diesbezügliche Schreiben des Jakob Matthys ist rück­wärts vermerkt: lectum coram Sacr. Caes. Maj. in consilio secreto die 22 jan. 1667 et resolvit Maj. sua fiant commendatitiae ad D. Card, ab Hassia. Mitteilungen, Band 11 6

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