Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 75 und Propst von Friesach Balthasar Gauhenberger und als dritten Georg Scharch, Erzpriester zu Stain in Crain152). Eine Entscheidung über die diversen Kandidaturen war noch nicht spruchreif, da für die Auditorstelle bei Lebzeiten des Auditors ja keine Exspektanzen erteilt wurden, trotzdem wurden weitere Kandidaten präsentiert und weitere hochmögende Inter­venienten für bereits genannte Kandidaten aufgeboten. Der Erzbischof von Mainz, Johann Philipp von Schönborn, richtete ein Empfehlungsschreiben an den Kaiser für den Dompropst zu Speyr, Wilderich von Wollendorff, ungeachtet der bereits für Leonhard Pappus befürworteten Kandidatur153). Der Kandidat der Mediceergruppe, Thomas Quentl aus Köln, erbat und erhielt auch noch die Befürwortung durch Erzherzog Leopold Wilhelm, damals Statthalter in den Niederlanden 154), und sein Gegenkandidat Msgr. Johann Emerix gewann Graf Montecuccoli für sich155). Der Gesundheitszustand des Auditors Peutinger hatte sich 1655 nicht gebessert, eher verschlechtert, wie aus allen Bewerbungsschreiben hervor­geht, und so versuchen auch 1656 noch weitere Kompetenten, sich für die allerdings erst mit dem Tode des bisherigen Inhabers freiwerdende Stelle in Vormerkung zu bringen. Diesem etwas makabren Reigen der auf den Abgang des Rotarichters Wartenden schlossen sich noch Msgr. Locatelli, ein Kärntner, und Dr. Terz, Sohn des Reichshofrates Dr. Kaspar Terz, an 156). Nachdem Peutinger am 12. Dezember 1656 gestorben war157), wurden die eigentlichen Beratungen über die Neubesetzung der Stelle im Reichs­hofrat aufgenommen. In dem am 31. Dezember 1656 behandelten Gut­achten wird zunächst eingehend die Bedeutung der kaiserlichen Auditor­stelle herausgehoben: Euer kais. Maj. gehors. Räthe befinden einhelliglich, daß an der ersetzung dießer stelle mit einem tauglichen wohl qualificirten subjecto sehr hoch und viel gelegen; fürs erste zwar weiln die Rota ein sehr hohes collegium zue dessen besetzung neben ihrer Babstl. Heil, die fürnembste christliche nationes und Königreich concurrirn und durch wel­ches die fürnembste christliche Sachen der gantzen Christenheit ventilirt und erört werden; auß welchem auch jeder zeit viel zuem Cardinalat und Bapstumb promouirt worden ... So dan und fürs 2. weiln Euer kais. Maj. 152) 1. c. 15S) 1. c. Kur-Mainz an Ferdinand III., Mainz, 4. August 1655. 154) 1. c. Thomas Quentell an Erzherzog Leopold Wilhelm s. d. — Erz­herzog Leopold Wilhelm an Ferdinand III. Brüssel, 16. Okt. 1655. 155) 1. c. Supplik des Emerix mit Befürwortung Montecuccolis vorgelegt am 28. Januar 1656. 15B) 1. c. Supplik des Franz Locatelli vorgelegt am 10. März 1656. — Aus Reichshofratgutachten vom 31. Dez. 1656: Eß hat sich auch erst den 5. dieß Dr. Tertz ein gebomes landtkindt und E. k. Maj. gewesenen Reichshofraths Tertzen sohn ein memorial darumb eingereicht. 1B7) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 480. Obiit die 12 dec. 1656 in civitate Amerina.

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