Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

76 Richard Blaas dießer zeit weder mit Ambaxiatorn, noch Residenten daselbsten versehen; der Protector Germaniae auch in teutschen Sachen nicht zur genüge erfahren; und daher die notturfft noch mehrers erfordern will, daß der denominandus nicht allein mit gelehrigkeit, erfahren — und auch treue und redlichkeit, wie zue solcher stelle erheischen ivirdt; sondern auch also beschaffen sey, daß Euer kais. Maj. denselben auff den nottfall auch in dero hochlöbl. Haußes alda vorfallenden Sachen und angelegenheiten nutz- und sicherlich gebrauchen können158). Eingehend auf die Beurteilung der einzelnen Kandidaten, heben die Räte hervor, daß sie vor allem geneigt wären, einem Erblanduntertan, also einem Österreicher, den Vorzug zu geben, weil man sich auf die treu und devotion gegen Euere kais. Maj. und dero hochlöbl. Ertzhauß dero Erblandtsassen und Underthanen billich vor andern zueverlassen könne und daß daher coeteris paribus ein Erblandtsass oder Underthan Euerer kais. Maj. dieß orts einem andern vorzueziehen sei. Eine conditio sine qua non bildet freilich auch noch, daß der zu ernennende kaiserliche Auditor beeden diensten — Amt an der Rota und diplomatische Vertretung — ohne entgelt Euerer kais. Maj. hoff earner abwarten könte. Die von der innerösterreichischen Regierung vorgeschlagenen Kandidaten finden nicht die Zustimmung des Reichshofrates, ihre Auswahl sei von den i.ö. Räten wohl ohne richtige Kenntnis der an der Rota und außerhalb für einen kaiserlichen Auditor nötigen Eigenschaften getroffen worden. Von den übrigen Kandidaten gilt Pappus als welcher von jugend auff in der casa Columna aufferzogen, umb deßwegen zue solcher stelle asperirt, son­dern auch der Contestable und Cardinal Columna ihme sonders gern darzue befürdert gesehen hetten. Nachdem aber der Contestable von der amba- sciata abkomben, so hat zwar der Cardinal und Er Contestable ihn fürters darzue commendirt, jedoch nur conditionate, da er verlangen darzue trüge. Pappus hat sich seither nicht mehr beworben, zuegeschweigen, dass er auch bey der vor dießem von E. kais. Maj. an selbigen hoff gehabten Com­mission weder an ainem noch dem andern orth grosse satisfaction seiner Verrichtung halben gegeben. Anton Buffa ist den Räten unbekannt und Locatelli mit seinen 29 Jahren noch zu jung für diese Stelle. Unter allen Kandidaten ist zue forderist der Emerix in consideration kömben, alß welcher, wie Er dessen vast von meniglichen ruhmb hat, nicht allein mit genuegsamben gelehrtig- und erfahrenheit, sondern auch mit solchen lebens mitteln versehen, daß er pro decora E. kais. Maj. und der löbl. teutschen nation auch ohne entgelt Euerer kais. Maj. Hoffkammer beide officia bedienen könte. Für ihn verwenden sich die Cardinäle Colonna, von Hessen und Harrach, wie nicht weniger der Pater Generalis Societatis Jesu ein geborner teutscher und der spanische Botschafter, so daß man betreff seiner Eignung, Treue und Devotion vast eine moralem certitudinem schöp­fen könte. Den Einwand der toskanischen Partei, daß Emerix nicht ver­158) St. K. Rom, Varia Fasz. 8, Konv.: Besetzung des Auditoriats der Rota mit Georg Ludwig Lindenspühr. Vortrag des Reichshofrates vom 31. Dez. 1656.

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