Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
74 Richard Blaas der einzige Kandidat, bald trat auch die Mediceerpartei auf den Plan. Der toskanische Resident in Wien, Abbate Marchetti, legte der Reichskanzlei eine Empfehlung des Großherzogs und der Mediceerkardinäle vor für Thomas Quentl aus Köln. In dem toskanischen Empfehlungsschreiben wird bereits ausfallend gegen einen möglichen dritten Kandidaten zu Felde gezogen, den Lütticher Prälaten Johann Emerix und zwar pereké s’intende che concorrino altri soggetti e specialmente Mnsgr. Emerix, le di cui qualitä c persona possono essere di poca confidenza a SS. Cardinali de Medici per essere l’Emerix dependente da SS. Barberini, da quali da esercizij assai bassi é stato portato al posto di prelato 14e). Die toskanische Empfehlung erhält fast gleichzeitig Schützenhilfe aus Tirol durch ein Schreiben des Erzherzogs Ferdinand Carl146 147). Daß dieses Empfehlungsschreiben ferngesteuert war und nicht unbedingt den Absichten des Erzherzogs entsprach, wird durch die Tatsache erhärtet, daß derselbe wenige Wochen später einen eigenen Kandidaten präsentierte, den welschtiroler Adeligen Anton Buffa, Auditor beim päpstlichen Nuntius zu Venedig148). Gleichzeitig reichte auch noch ein anderer Tiroler ein Bewerbungsschreiben ein, der Trentiner Joseph de Albertis, Domherr zu Breslau 149). Die Bewerbungen konnten vorläufig dilatorisch behandelt werden, da der kaiserliche Auditor ja noch lebte und, wenn auch krank, durchaus noch mit seinem Aufkommen gerechnet werden konnte. Beachtenswert ist, daß am 2. Juni 1655 das innerösterreichische Gu- bernium aufgefordert wurde, für die eventuell freiwerdende Auditorstelle geeignete Kandidaten namhaft zu machen150). Ob auch andere Regierungsstellen diesen Auftrag erhielten, kann nicht nachgewiesen werden, weil nur das Gutachten der innerösterreichischen geheimen Räte erhalten ist. Man war also offenbar bestrebt, jetzt endlich auch einmal einen Österreicher, einen Erblandsuntertan, auf diesen Richterposten unterzubringen. Die Räte in Graz schlugen folgende drei Kandidaten vor: Franz Maximilian Vaccano, Bischof von Pedena in Istrien, wobei sie allerdings beifügen: da anderst derley persohnen zu diesen officio zunehmen nit ivider gebrauch und observanz währe 151), ferner den salzburgischen Konsistorialdirektor 146) 1. c.. Felice Marchetti an Reichsvizekanzler, Wien, 1. Juni 1655. 147) 1. c. Ferdinand Carl an Ferdinand III. ddo. Innsbruck, 9. Juni 1655. 148) 1. c. Ferdinand Carl an Ferdinand III. ddo. Innsbruck, 5. Juli 1655. 148) 1. c. Supplik des Joseph Viktor de Albertis vorgelegt am 22. Juni 1655. 150) 1. c. Gutachten und Vorschlag der I. Ö. geheimen Räte, Graz, 13. Juli 1655: Es haben E. kais. Maj. unß unterm dato den 2. deß negst verschinenen Monaths Junii allergnädigst anbeuohlen, weilten sich mit des Peitingers alß Auditoris Rotae Romanae persohn negstens eine verenderung zuetragen möchte undt dessen Stöll so dann eheist widerumb zuersetzen vonnöthen sein werde, daß wir etlichen guett undt woll qualificirten subjectis so sich in denen hieringen Landten befindten möchten, nachdenkhen undt E. kais. Maj. solche mit unsern angehöfften Guetachten, wehr etwo darunter zuselbiger Stöll auf ervol- gendte vocanz tauglichste währe, nahmhaft machen sollen. 151) 1. c.