Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
64 Richard Blaas Das unerwartete Hinscheiden des kaiserlichen Auditors wußte der Lütticher Cornelius Heinrich Motmann, ein Jesuitenschüler, der in Ingolstadt und Wien seine Studien absolviert hatte, sofort für seine Bewerbung zu nutzen. Er wandte sich mit seinem Ansuchen um die kaiserliche Auditorstelle an einen beim Kaiser sehr einflußreichen Mann, den Beichtvater P. Lamormaini S. J.10S), und, man kann sagen, beinahe postwendend wurde ihm das Ernennungsdekret zugestellt. Bereits Anfang Jänner 1627 konnte der kaiserliche Vertreter, der Herzog Paul Savelli, das Ernennungsschreiben für Motmann dem Papste vorlegen100) und schon am 15. Jänner legte dieser dem Dekan der Rota das Motuproprio vor. Cornelius Heinrich Motmann108 109 110) entstammte einer adeligen Lütticher Familie. Nach Philosophiestudien in Löwen, einem fünfjährigen Jusstudium in Ingolstadt und Wien hatte er sich nach Rom gewandt und 12 Jahre Praxis an der Kurie im Dienste des Kardinals Pietro Crescenzi hinter sich gebracht und außerdem durch vier Jahre das Revisorenamt an der Anima innegehabt. Die Weihen empfing Motmann erst nach seiner Ernennung zum kaiserlichen Auditor. So mühelos ihm die kaiserliche Ernennung zum Auditor in den Schoß gefallen war, um so dorniger sollte für ihn das Noviziat für die Aufnahme in die Rota werden. Kaum eine kaiserliche Ernennung war so rasch erfolgt, aber für keinen anderen Ernannten begannen die Kalamitäten sich derart bei der Intro- duzierung einzustellen. Er mußte, wie jeder neuernannte Auditor, sich einem vorgeschriebenen Aufnahmeverfahren unterziehen, verschiedene Prüfungen ablegen, von denen die feierlichste und öffentlichste die Disputation vor versammeltem Kardinalskollegium und der Kurialbeamtenschaft war. Diese öffentliche Disputation war in der Regel, wie der kaiserliche Gesandte ausführlich berichtete 111), eine reine Formsache. Das Thema war 108) St. K. Rom, Varia Fasz. 6, Motmann an P. Lamormaini S. J. ddo. Rom, 5. XII. 1626. Gia a quest’hora V. P. sara stata informata della vacanza dell’Auditorato di Rota ... Quanto a me son prontissimo di servire sempre in quel grado ehe piacéra a S. M. Ben verő é ch’havendo tutti li patroni et amore- voli stimolatori a pretendere, ho usato tutte le diligenze per accomodarmi alia volontä loro .. . raccommandando tutto al Sig. Iddio et a S. Ignazio accioche prosperino il mio desiderio ... 109) St. K. Rom, Berichte Fasz. 47. Savelli an Ferdinand II., ddo. Rom, 16. I. 1627: Ho presentato a S. B. la lettera di V. M. C. con la nomina per I’Auditorato di Rota a favore del Sign. Comelio Mottmann. 110) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 473; Schmidlin, Anima, 475, Anm. 1. Sohn des Adeligen Wilhelm Motmann und der Anna von Haesdall. Motmann kam 1612 zum Studium der Rechte nach Ingolstadt, erhielt daselbst nach Besuch der Hochschulen von Wien und München 1615 sein Diplom und 1628 die Weihen auf eine Kanonikatspension in Lüttich. 111) St. K. Rom, Berichte Fasz. 47. Savelli an Ferdinand II., ddo. Rom, 26. 6. 1627. Beilage zum Bericht: De conditionibus et qualitatibus, quae in ad- mittendo ad Auditoratum requirantur. Le dispute che si fanno in publico non sono altro che una mera ostentatione, perche non solo gli argumenti ma le