Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

530 Literaturberichte dabei doch die Quellen soweit im Auge zu behalten, daß sich ihm auch der Laie ruhig anvertrauen darf. Unangebracht wäre die Ankreidung von kleinen Irrtümern oder etwas zu schwungvoll geratenen Formulierun­gen; gerade das Bemühen des Autors, die großen Entwicklungslinien der mittelalterlichen Welt durch zeitnahe Beobachtungen, jedoch unter feinfühlender Wahrung des historischen Eigenwertes — das Buch hält in dieser Beziehung viel mehr als das Vorwort verspricht —, aufzu­decken, empfiehlt das Werk einem unterschiedlichen Publikum: dem Interessierten, dem Studenten, aber auch dem spezialisierten Mediä­visten, dem Génicot Gelegenheit bietet, sich den Umkreis seiner abge­zirkelten Studien in Erinnerung zu rufen. Der reichhaltige, für eine erste Orientierung sehr brauchbare An­merkungsteil beschränkte sich in den französischen Auflagen vorwie­gend auf westeuropäische Literatur. Die Übersetzerin, Sophie Buch­mayer, behob diesen Mangel durch einen die wichtigste deutschsprachige Literatur beinhaltenden bibliographischen Anhang. Besondere Erwäh­nung verdient die Auswahl der Tafeln, die unter Verzicht auf die üb­lichen repräsentativen Tendenzen eine echte Verbildlichung des Textes bieten. Gerhard Bill (Wien). Oberacker Karl Heinrich, Der deutsche Beitrag zum Aufbau der Brasiliani­schen Nation, Vertrieb: Herder Editora Livraria Ltda (1955), 448 Seiten. Der Herausgeber der deutschsprachigen Brasil Post in Sao Paulo hat sich die sehr dankenswerte Aufgabe gestellt, den Anteil der Men­schen deutscher Muttersprache und Kultur am Werden und am Aufbau der brasilianischen Nation festzustellen. Es kann gleich vorweg genom­men werden, daß ihm das hervorragend gelungen ist. 0. beschränkte sich bei der Fassung des Begriffes deutsch nicht nur auf deutsche Staatsangehörige, sein Deutschbegriff ist umfassender, er entspricht seinem Umfang nach etwa dem spätmittelalterlichen Begriff deutsche Nation, so daß auch die Leistungen von Flamen, Schweizern und Öster­reichern in und für Brasilien hier ihre Würdigung finden konnten. Die ältere allgemeine Ansicht der Geschichtsschreibung, die brasilianische Nation verdanke ihre Existenz und ihre Formung nur Portugiesen, Indianern und Negern, ist schon seit längerer Zeit auf gegeben worden, vor allem von dem großen brasilianischen Historiker Oliveira Lima. In den letzten Jahrzehnten sind verschiedene Arbeiten über die Leistungen der Italiener 1) und Engländer2) erschienen, denen sich jetzt Oberackers Arbeit über die Deutschen anreiht, deren Geleitwort der brasilianische Historiker und Direktor des Museums in Ipiranga, Dr. Sergio Buerque de Hollanda, verfaßt hat. Vor dem Hintergründe der brasilianischen Geschichte, deren Be­wegtheit uns O. vor Augen führt, konnte er die Leistungen deutsch­sprachiger Einwanderer zeigen. Im 17. und 18. Jahrhundert wirkten in Brasilien vor allem deutschsprachige Jesuiten und Offiziere. Die Jesu­1) Francisco Pettinati, 0 elemento italiano na formafao do Brasil (1939). 2) Gilberto Feyre, Ingleses no Brasil (1948).

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