Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

Rezensionen 531 iten als Vertreter europäischer Gesittung und Kultur und Anwälte der unterdrückten indianischen Bevölkerung. Unter diesen deutschen Jesuiten nahmen Angehörige der böhmischen und mährischen Ordens­provinz zahlenmäßig einen bedeutenden Raum ein. Ihnen verdankt Europa auch Reisebeschreibungen, Karten und naturwissenschaftliche Arbeiten. Am Aufbau der brasilianischen Armee wirkte Johann H. Böhm maßgebend mit. Zu Kolonisationstätigkeit kam es abgesehen von den Flamensiedlungen in den Nordprovinzen erst im 19. Jahr­hundert, als unter dem Einfluß der Kaiserin Leopoldine, einer Tochter Kaiser Franz I. von Österreich, bäuerliche Bevölkerung aus den kaiser­lichen Erblanden wie aus dem Gebiet des Deutschen Bundes ins Land gerufen wurde. 0. hat in seinem Werk auch eine Zahlenstatistik der Einwanderung bis 1950 gegeben. Die deutschen Siedlungen unterschie­den sich von den portugiesischen grundsätzlich. In ihnen herrschte nicht Latifundienwirtschaft mit Sklavenhaltung, es gab hier kleinbäuerliche Betriebe und Gewerbe. Räumlich waren sie, da sie auf Rodungsboden entstanden waren, auf die Provinz Rio Grande do Sul beschränkt. Das städtische Element fehlte in ihnen nicht, es wurde auch planmäßig angelegt. Aus diesen Siedlungen erwuchs der Anteil der deutschsprachi­gen Brasilianer an der Wirtschaft, dem Schulwesen, der Wissenschaft und der Kultur ihres neuen Vaterlandes. Auch die katholische Kirche in Brasilien verdankte den die Einwanderer begleitenden Ordensleuten eine Intensivierung ihres eigenen inneren Lebens. 0. hat seinem Werk auch Kurzbiographien bedeutender Persönlichkeiten beigegeben. In fast allen Schichten der Bevölkerung bis hinauf in das kaiserliche Haus fanden sich bedeutende deutschsprachige Brasilianer. Kaiserin Leopol­dine und ihr Sohn Don Pedro II., den 0. als den bedeutendsten Bra­silianer betrachtet, hatten maßgeblichen Anteil an der Unabhängigkeit und Einheit Brasiliens. Die Berichte der österreichischen diplomatischen Vertreter bestätigen vielfach Oberackers Ergebnisse. Sie zeigen vor allem, wie die engen politischen und wirtschaftlichen Bindungen der beiden Staa­ten nach der Mitte des 19. Jahrhunderts immer schwächer wurden. — Wer sich mit dem Anteil von Österreichern an der Erforschung Süd­amerikas beschäftigt, wird an dieser Arbeit nicht vorübergehen können. Anna Hedwig B e n n a (Wien). F i 1 i p u z z i Angelo, Pio IX e la politica Austriaca in Italia dal 1815 al 1848 nella relazione di Riccardo Weiss di Starkenfels. Prefazione di Roberto Cessi, in: Studi e documenti di storia del Risorgimento. 36. Firenze, Felice Le Monnier 1958. XVI, 306 S. 8°, 2000 L. Nicht immer fanden sich nur geistig und moralisch gleich hochstehende Persönlichkeiten berufen, die Interessen ihres Staates im Ausland zu ver­treten und so als Insel der Elite gleichzeitig zu repräsentieren wie zu informieren. Zumeist waren ja auf gewissen heiklen Posten, die zugleich im Brennpunkt der jeweiligen Politik standen, völlig integre Diplomaten tätig, die ihrem Land Ehre machten. Doch gab es auch Ausnahmen. In Rom war am 21. März 1848 gelegentlich der Kunde von der Wiener Märzrevolution der kaiserliche Doppeladler vom Palazzo Venezia, dem Sitz 34*

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