Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945
518 Archivberichte Die Kaiser-Franz-Akten (Ges. Inv. II. 127—142) waren im Schloß Ober-Höflein verlagert und haben gar keine Schäden davongetragen. Sie wurden auf die Weise einkartoniert, daß auf den neuen Kartons auch die alten, im Gesamtinventar angegebenen Faszikelnummern aufscheinen und daß weiterhin auch nach diesen Bestellungen gemacht und Akten ausgehoben werden können, ohne daß man auf eine Konkordanztabelle angewiesen wäre. Statt der Faszikel und Bücher 1—240 (mit etlichen Unternummern) umfaßt die Reihe jetzt 224 fortlaufend numerierte Einheiten. Für die Vertraulichen Akten gilt bezüglich Verlagerung und Einkartonierung dasselbe. Auch sie tragen auf den Schachteln neben der neuen auch die alte Signatur. Da kein brauchbarer Behelf zu dieser viel benützten Aktenreihe vorhanden war, wurde ein eingehendes Verzeichnis hiezu angelegt (AB. 306 a). Um die Angaben des Gesamtinventars nicht unnötig außer Geltung zu setzen, wurde die bisherige Aktenanordnung beibehalten, obwohl sie Mängel aufweist. Von den 152 Einheiten waren 17 an Ungarn ausgeliefert worden. Die restlichen 135 bilden nach der Einkartonierung eine Reihe von 107 Schachteln. Auch die Bittschriften an die Kaiserin Karolina Augusta (jetzt 57 Kartons) und die Zentralinformationsprotokolle 1834—1848 (jetzt 36 Kartons und 28 Bände) sind vollständig erhalten geblieben. Ungünstig dagegen steht es mit den Kabinettskanzleiakten (1802—1848). Diese Aktenreihe, die erst in den 1850er Jahren in der endgültigen Form zusammengestellt, protokolliert und indiziert worden war, und aus den Akten bestand, die ursprünglich bei den einzelnen Kabinettreferenten hinterlegt gewesen waren (Ges. Inv. II. 147, 150), batte dasselbe Los, wie die alten Kabinettsakten, mit denen, so wie mit den Staatskonferenzakten, vermischt, sie nur zum geringen Teil gerettet werden konnte. Soweit sie nur auseinandergefallen, aber die einzelnen Stücke noch vollständig waren und Signaturen trugen, konnten sie leicht wieder eingereiht werden. Dies war aber bei vielen Fragmenten und Beilagen schwierig, ja unmöglich4). Ein ungeheuer großer endgültiger Verlust durch mutwillige Zerstörung und durch Plünderung ist sicher. Was gerettet wurde, beträgt schätzungsweise nur ein Drittel bis ein Viertel des früheren Bestandes (Früher 226 Faszikel stark, zählt er jetzt 95 Kartons, wobei der Karton jedoch um Vs bis Vs weniger faßt). Um die Übersicht zu erleichtern, wurden nach Wiederherstellung der Ordnung jene Stücke, die noch vorhanden sind, in den Protokollbänden mit einem roten Bleistifthaken versehen. Die Protokolle und Indizes blieben erhalten bis auf die Index-Bände 1817—18 und 1845—46. Sie werden auf irgendeine Weise neu hergestellt werden müssen. Die jenem Fonds angeschlossenen Referate des Konferenzrates Anton Freiherrn von Baldacci blieben fast ganz erhalten. 4) Vgl. unten, Staatskonferenzakten, S. 524.