Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

Österreich 519 Glücklicherweise hat die Verheerung unter den Akten der Kabinetts­kanzlei die umfangreichen Bestände von 1848 an, die, wie ich ausführte, in der kritischen Zeit im Wiener Archivkeller lagen, nicht betroffen. Die Vorträge, mit den Unterabteilungen der Ministerrats-(M.R.-)Akten 1848—52, der Ministerkonferenz-(M.C.-)Akten 1852—58, der Kurrent­kabinettsakten derselben Jahre und der langen Reihe der Kabinetts- (K.Z.- und C.K.-) Akten von 1858—1918, sind in letzter Zeit aus den Faszikeln in Schachteln umgelegt worden, soweit sie nicht seit jeher in solchen untergebracht waren. Dies gilt für die Jahrgänge 1903 bis 1918. Innerhalb der Kartons wurden die Akten zur größeren Schonung und leichteren Benützbarkeit nach Konvoluten geringerer Stärke in Papier­hüllen eingeschlagen und nach dem Inhalt beschriftet. Die Kurrentbillette, in der älteren Zeit auch Allerhöchste Handschreiben genannt, von 1763 bis 1918 reichend, haben für manche Jahrgänge der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einige Verluste er­litten. Zahlreiche Akten, die aus den Faszikeln herausgefallen waren, konnten wieder eingeordnet werden, so daß heute wohl nur mehr wenig fehlt. Der Bestand wurde einkartoniert, soweit er nicht bereits in Schachteln verwahrt war, wie dies seit 1867 der Fall gewesen ist. Letzteres gilt ebenso für die Separatakten, die Korrespon­denzakten und die Bittschriften, Bestände, die ganz ohne Schaden wieder an Ort und Stelle zurückgekehrt waren. Auch die heute nicht mehr unmittelbar gültigen alten Protokolle und Indizes der Kabinettskanzlei sind noch vollständig er­halten. über diese Findbücher und deren einigermaßen komplizierte Be­ziehung zu heute noch vorhandenen Aktenreihen wurde ein kleiner Führer angelegt (Kurr.-Zl. 7649/1957), der die Ausführungen im Ges.- Inv. Bd. II, S. 161 ff. etwas zusammenfaßt und ergänzt. Die Geheimakten und Varia sind bei Krieg und Bergung verschont geblieben, jedoch waren Teile aus diesen Reihen in den 20er Jahren an Ungarn, die Tschechoslowakei und Italien ausgeliefert worden. (Vgl. Ges.-Inv. II, Seite 182, betr. Geheimakten alt 23—27 und Ges.-Inv. II, 185, betr. Varia alt 1—20, 47, 79). Die folgenden kleineren Serien, die im Gesamtinventar angeführt sind, die Direktionsakten der Kabinettskanzlei (jetzt 29 Einheiten von neuen Kartons und Bänden), die Akten der Kabi- nettsarchivdirektion (1 Kart, und 4 Bände), die Organi­sierungsakten (jetzt 6 Kartons) und die Akten der Kabinetts­kasse sind intakt geblieben. Ein wenig glückliches Schicksal hatten jedoch die zum Teil sehr wertvollen Nachlässe der Kabinettskanzlei, was umsomehr zu beklagen ist, als auch sie zum Großteil aus jener verhängnisvollen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen, in der den österreichischen Beständen ohnedies schon so schwere Lücken geschlagen w'orden sind. Immerhin sah der Schaden an diesen im Pfarrhof Dobersberg eingelagerten Nach­lässen anfangs schlimmer aus, als es sich letztlich herausstellte. Denn

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