Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 127 Kandidaten zu stellen; der Fürsterzbischof von Olmütz empfiehlt eindringlich Johann Bapt. Peteani Ritter von Steinberg, der alle erforderlichen Bedingungen in hervorragendem Maße erfüllte und vermög seiner gutdotierten Pfründe auch in der Lage wäre, den finanziellen Erfordernissen gei'echt zu werden 355). Diese im Bereich der gesamten Monarchie — mit Ausnahme Ungarns — durchgeführten Erhebungen zeigen im wesentlichen das gleiche Bild wie die 1823 durchgeführten Umfragen. Außer der Reihe und mit einer Empfehlung des Vizekönigs Erzherzog Rainer hatte Graf Pietro Silvestri aus Rovigo im Venezianischen um die Verleihung der Auditorstelle nachgesucht 356). In dem die Ernennungen beinhaltenden Vortrag vom 13. September 1835 legte Metternich aus dem ihm eingereichten Vorschlägen folgende Kandidaten dem Kaiser vor: primo loco den Fürsten Friedrich Schwarzenberg, secundo loco den Grafen Pietro Silvestri und tertio loco den Ritter Peteani aus Olmütz. Da Fürst Schwarzenberg am 23. September vom Domkapitel zu Salzburg zum Erzbischof erwählt worden war und somit für die Richterstelle an der Rota nicht mehr zur Verfügung stand, rückte der secundo loco genannte Conte Silvestri an die erste Stelle und wurde, nachdem Botschafter Lützow seine Benennung als dem Papste genehm gemeldet hatte 357), ernannt 358). Conte Pietro Silvestri 359) wurde mit Motuproprio vom 28. November 1835 in die Rota auf genommen 360), nachdem das am 28. Oktober ausgestellte kaiserliche Ernennungsschreiben in Rom eingetroffen und die Zustimmung zur Ernennung in einem päpstlichen Breve dem Kaiser mitgeteilt worden war361). Silvestri erhielt über Intervention 35B) 1. c. Note des Obersten Kanzlers an die Staatskanzlei vom 3. August 1835. 356) 1. c. Handschreiben Kaiser Ferdinands an Metternich vom 24. Mai 1835. Ich theile Ihnen in der Anlage einen Vortrag Meines Oheims des Vice- königs Erzherzog Rainer über die Bitte des Priesters Conte Silvestri um die Stelle eines Uditore della Sacra Rota zur geeigneten Bedachtnehmung bei der Erstattung des Vorschlages für diese Stelle mit. (Bittgesuch und Vortrag liegen nicht bei den Akten.) 357) 1. c. Bericht Lützows vom 19. Sept. 1835, Nr. 43 A. 35S) 1. c. Vortrag vom 1. Oktober, womit wegen der Wahl des Fürsten Schwarzenberg zum Erzbischof von Salzburg Conte Silvestri primo loco vorgeschlagen wird. Peteani Ritter von Steinberg, für den sich der Oberste Kanzler mehrmals verwendet hatte, (Noten vom 23. März, 25. Mai und 3. August), wird in dem Vortrag nicht mehr erwähnt. 359) Conte Pietro Silvestri wurde am 13. II. 1803 zu Rovigo im Venezianischen geboren, absolvierte seine Studien an der Universität Padua. 1835 zum kaiserlichen Auditor ernannt, wurde er 1851 Pro-Dekan und 1853 Dekan der Rota. Am 15. März 1858 zum Kardinal erhoben, wurde er am 2. Juli 1858 Kardinalprotektor für Österreich. Vgl. Blaas R., Das Kardinalprotektorat, a. a. 0., S. 178 ff. 36°) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 652. 361) St. K. Rom, Auditoriat, Breve Gregors XVI. vom 7. XII. 1835.