Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

128 Richard Blaas der österreichischen Botschaft eine Fristverkürzung für das für die Auf­nahme in die Rota vorgeschriebene Noviziat, so daß er bereits am 20. Juni 1836 vereidigt werden konnte362). Einer der Gründe, warum der Botschafter auf eine rasche Neubeset­zung der Auditorstelle gedrängt hatte 363), waren die Zustände an der Nationalkirche S. Maria dell’Anima, deren Vorstand bezüglich der diszi­plinarischen und finanziellen Verwaltung der österreichische National­auditor ex officio war. Am 1. Februar 1836 wurde Silvestri durch den Grafen Lützow an der Anima als Reggente eingeführt. Tatsächlich wurde bereits 1836 eine administrative Reorganisation mit einer Generalrevision über den Finanzzustand und einer Reform des Rechnungswesens in die Wege geleitet. Unter die Regentschaft Silvestris fällt auch die 1842—1844 durchgeführte Restaurierung der Animakirche 364). Während des Revo­lutionsjahres 1848/49 fielen dem Nationalauditor auch wieder diplomatische Aufgaben zu, da er seiner Stellung gemäß bei Abwesenheit des Botschaf­ters mit der Stellvertretung betraut war 365), doch mußte auch er anfangs 1849 aus Rom weichen366). 1851 war Silvestri zum Prodekan und 1853 zum Dekan der Rota, einem posto cardinalizio, auf gerückt 367). Die in diesen Jahren einsetzende Umorganisierung der Anima war in keiner Weise das Werk des Reggente Silvestri, im Gegenteil, sie mußte zum Teil gegen seinen Widerstand durchgesetzt werden, da sie auch eine grund­legende Neugestaltung des Verhältnisses des Nationalauditors zur Anstalt mit sich bringen sollte 368). Um das Verhältnis von Nationalauditor und Anima von vornherein zu entlasten, waren bereits 1854 Bestrebungen im Gange, Silvestri auf einen Kardinalsposten abzuschieben. Der Kardinal­staatssekretär erklärte jedoch, daß Silvestri erst, nachdem er das Dekanat der Rota 6 bis 7 Jahre geführt habe, auf normalem Wege in das heilige Kollegium gelangen könne, eine frühere Erhebung sei nur über seine Er­nennung zum Kronkardinal möglich, wobei der Staat allerdings für die Dotierung seines Kardinals auf kommen müßte 369). Da sich im Verlaufe der Umgestaltung der Anima das Verhältnis des Nationalauditors zum neuen Rektor der Anima, vor dem er in allem den Vorrang verlangte, immer schwieriger gestaltete und man Dr. Flir bei der Neugestaltung der 362) Botschaftsarchiv Rom-Vatikan, III, U/l Note an Kardinal Staats­sekretär Bernetti vom 14. I. 1836 und Note von demselben betreffend Abkürzung des vorgeschriebenen Noviziates. 363) St. K. Rom, Auditoriat, Bericht Lützows vom 19. September 1835. 364) Schmidlin, Anima, S. 712, 716, 719. 365) Friedrich Engel-Janosi, Österreich und der Vatikan, Bd. I, Graz 1958, S. 38, Anm. 1; R. Blaas, Die k. k. Agentie für geistliche Angelegenheiten in Mitt. d. österr. Staatsarchivs, Bd. 7, S. 76 f. 366) Schmidlin, Anima, S. 721. 367) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 652 Pro-Decanus die 14 nov. 1851; Decanus 26 april. 1853. 368) Schmidlin, Anima, S. 742 ff. Rektor Flir und die Sacra Visita. 3") St. K. Rom, Auditoriat, Bericht Esterhazy’s vom 6. und 16. Juni 1854.

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