Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

126 Richard Blaas tion comme étaient cev/x des tems -passes 352) sehen, wurden die Erhebungen auch auf die deutschen Diözesen der Monarchie ausgedehnt 353). Das Er­gebnis der verschiedenen Umfragen war nicht sehr ermutigend. Wenn diesmal zwar nicht wie 1823 Laien vorgeschlagen wurden, so machte man im Grunde doch die gleichen Erfahrungen, Männer von Distinktion d. h. aus hochadeligen und vermögenden Familien in Rang und Ansehen der Auditoren des verflossenen Jahrhunderts standen nicht mehr zur Ver­fügung. Seit der Säkularisation und der politischen Umgestaltung des Reiches waren die meisten fetten Pfründen in Wegfall gekommen, zu denen sich früher die nachgeborenen Söhne der hohen adeligen Familien gedrängt hatten und wo fast jede Familie das eine oder andere Mitglied in die geistliche Laufbahn eingewiesen hatte; es war immer schwerer geworden für Stellen wie das Auditoriat, das im 18. Jh. dem höheren Adel Vorbehalten war, geeignete Kandidaten zu finden. Bei den nichtadeligen oder aus dem Kleinadel kommenden Kandidaten fehlten in der Regel, wenn alle anderen Voraussetzungen gegeben waren, die finanziellen Mittel, das Nationalauditoriat im Stile der Vorgänger zu führen. Die allmählich an die Staatskanzlei gelangenden Ergebnisse der Um­frage erbrachten folgendes Bild: der Erzbischof von Mailand, Kardinal Gaisruck schrieb, daß er weder in seiner Diözese noch in den Diözesen seiner Suffragane einen den Anforderungen entsprechenden Kandidaten namhaft machen konnte 354); der Patriarch von Venedig muß dasselbe von seiner Diözese mitteilen, kann aber von seinen Suffraganen einige Kandi­daten nennen : der Bischof von Vicenza schlägt vor den Generalvikar Pros- docimo Piccoli und den Arciprete Josef Novello; der Bischof von Udine unterbreitet als Kandidaten den Conte Fabio Asquini, Conte D. Carlo Belgrado und Conte Nicolo Colloredo; der Erzbischof von Görz, Luschin, teilt als Bewerber mit den Dompropst Augustin Freiherrn von Codelli und aus anderen Diözesen aus seiner Kenntnis des österreichischen Klerus den Trientner und nunmehrigen Domherrn zu St. Stephan in Wien, Isidor Graf Terlago, den Priester Josef Freiherrn von Altenburger und Ignaz Sardagna von Höhenstein, beide Trientner. Als aussichtsreichsten Kandi­daten empfiehlt Luschin den Salzburger Domizellaren, den Fürsten Fried­rich Schwarzenberg. Der Wiener Metropolit weiß keinen Kandidaten aus seiner Diözese zu nennen, hält außerdem den von Erzbischof Luschin vor­geschlagenen Grafen Terlago für nicht geeignet; Fürstbischof Tschiderer von Trient kann die ebenfalls von Luschin genannten Priester seiner Diö­zese für den Auditorposten nicht empfehlen, eigene Kandidaten weiß er keine vorzubringen; der Weihbischof von Salzburg empfiehlt gleichfalls den Fürsten Schwarzenberg; der Fürsterzbischof von Prag vermag keinen 352) 1. c. Bericht vom 7. III. 1835. 363) 1. c. Note an den Obersten Kanzler vom 22. III. 1835. 354) 1. c. Note des Obersten Kanzlers an Metternich vom 25. Mai 1835. Beilage, Brief des Kardinals Gaisruck an Graf Inzaghi vom 16. Mai 1835.

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