Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 125 heilige Vater dem österreichischen Botschafter, er gedenke, den Fürsten Ruspoli auf einen der höchsten Prälatenposten zu befördern, wenn Öster­reich sein Nationalauditoriat sofort wiederbesetze und diesmal wenn mög­lich mit einem Österreicher 34 * * 348). Auf diese Bedingung konnte die öster­reichische Regierung leichten Herzens eingehen. Fürst Ruspoli wurde am 8. April 1835 zum Auditor Generalis Camerae Apostolicae, dem höchsten Prälatenposten der Kurie und einem sicheren posto cardinalizio, er­nannt349). Außerdem wurde dem Fürsten, der bei den Trauerfeierlich­keiten für den verstorbenen Kaiser in der Sixtina die Gedenkrede hielt, als außerordentliche Anerkennung sein bisheriges Gehalt bis zur Erlangung eines entsprechenden Benefiziums oder der Erhebung zum Kardinal auch weiterhin zugesprochen 35°). Die amtlichen Erhebungen für die Namhaftmachung eines geeigneten Nachfolgers wurden anfangs fast ausschließlich im Bereich des lombardo- venezianischen Königreiches durchgeführt. Der Gegenstand ist, wie Metternich in seinem an den Obersten Kanzler Graf Mittrowsky gerich­teten Billet eigens hervorfhebt, von Wichtigkeit denn für Österreich als einer der ersten Mächte der katholischen Christenheit, welche überdies so ausgedehnte Besitzungen in Italien hat und nothwendig einen großen politischen Einfluß auf diesen Theil Europas auszuüben berufen ist, kann es nicht gleichgültig sein, sich im heiligen Kollegium ohne Vertreter zu finden und vielleicht politischen Gegnern in demselben die Oberhand gewinnen zu lassen; es liegt demnach in den wohlverstandenen Interessen der Monarchie, es nicht zu hindern ja vielmehr zu befördern, wenn quali- ficirte junge Männer sich dem Dienste des römischen Hofes nicht blos für die Kirche sondern auch für die politische und Rechts Verwaltung, das ist der sogenannten Prälatur, widmen wollen, wozu denn namentlich die Stelle des Auditors Rotae für Österreich gehört 351). Erst als Graf Lützow ein­berichtete, daß der Papst ihm gegenüber betont habe, er würde auf dem österreichischen Auditorposten am liebsten un prelat allemand et de distinc­34S) 1. c. Bericht vom 27. Dezember 1834, Nr. 514 B. Je ne crois pas devoir Vous laisser ignorer, mon Prince, que le Pape m’a fait savoir, il y a peu de semaines, sous le sceau du secret qu’Il se proposait de conférer ä Msgr. Ruspoli un poste dans la haute Prélature (dit posto cardinalizio) de ceux qui assurent au titulaire le chapeau dans trés peu de tems; Sa Sainteté accompagna cette communication de la demande, si Sa Majesté se plairait alors de donner un successeur ä ce Prélat, Sa Sainteté tenant infiniment ä la présence d’un Audi­teur de Rote pour VAutriche ä Rome. 349) 1. c. Bericht vom 7. März 1835. Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 742. 350) 1. c. Bericht Lützows vom 11. April 1835 und Vortrag vom 29. April 1835. 351) 1. c. Billet an Grafen Mittrowsky vom 31. Jänner 1835. Diese Ein­stellung Metternichs steht im Gegensatz zu dem bisher geübten staatskirch­lichen System, das einen Verkehr mit Rom soweit als möglich zu unterbinden suchte, und darf wohl als ein Vorzeichen dafür auf gef aßt werden, daß sich schon damals die ersten Lockerungen in diesem System zeigten.

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