Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
124 Richard Blaas tüchtige und verläßliche Priester an seinen Hof zu ziehen 345). Metternich setzte sich nach Erhalt dieser Mitteilungen mit Erzherzog Rainer, dem Vizekönig Lombardo-Veneziens, in Verbindung, um mit ihm die Frage der Errichtung eines zweiten österreichischen Auditoriats zu erörtern. Der Vizekönig und die beiden Präsidenten der Gubernien in Mailand und Venedig lehnten aber das Projekt einstimmig ab 346). Für Metternich liegt das Motiv für die Ablehnung darin, daß er sich nicht für die positiven Vorteile für den Staat bei Ernennung eines weiteren Auditors aussprechen kann und daher nicht in der Lage ist, auf die Annahme des päpstlichen Antrages einzuraten; im übrigen möge der Botschafter die Sache nicht mehr aufrühren und sich mit der Feststellung begnügen, daß Österreich von dem Rechte, einen zweiten Auditor zu ernennen, dermalen keinen Gebrauch zu machen gedenke. Nach Ablehnung des Vorschlages besetzte der Papst den freien Auditorposten anderweitig. Der Nationalauditor Fürst Ruspoli wandte sich, nachdem er das österreichische Auditoriat bereits 9 Jahre bekleidet hatte, im Jahre 1832 in einem Promemoria an die kaiserliche Regierung, worin er sich bitter beklagte, daß er in all der Zeit von Seite des Hofes keinerlei Förderung oder Auszeichnung erfahren habe. Er glaube, es seiner Stellung und seinem Range schuldig zu sein, die Stelle niederzulegen, wenn ihm nicht wie seinen Vorgängern nach viel weniger Dienstjahren eine entsprechende Anerkennung seiner Leistungen gewährt werde. Metternich erkannte die Beschwerde Ruspolis als zu Recht vorgebracht an, war aber in Verlegenheit bezüglich der Art und Weise der Förderung und Auszeichnung des Nationalauditors, denn für ein inländisches Bistum — die früher übliche Form der Anerkennung — kam er nicht in Frage, ein entsprechendes ansehnliches Benefizium, das keine Residenzpflicht erforderte, war nicht verfügbar, so blieb nur die allerdings billigste Art der Förderung, sich beim Papste für ihn zu verwenden. Da aber gerade 1833 alle höheren Hofämter in Rom besetzt, die Nuntiaturen bereits vergeben waren, hielt es schwer, den Fürsten zu befriedigen, zumal er auf eine Kardinalsernennung wegen der damit verbundenen weiteren Auslagen keinen Wert legte. Er wurde vorläufig mit der Zusicherung der Aspektanz auf ein österreichisches Benefizium vertröstet 347). Zu Weihnachten 1834 eröffnete der 345) 1. c. Je ne saurais pour le moment Vous en désigner d’autre, mon Prince, que celle de yeigner le Clergé des autres pays, de lui témoigner de la bienveillance, de l’attention et de se ménager peut-étre par ce mögen du crédit sur les autres classes de la société. 34e) 1. c. Weisung Metternichs an Lützow vom 18. Juli 1828. Darin Erwähnung der beiden Noten des Vizekönigs Rainer vom 25. Mai und 17. Juni que ce Prince ainsi que les présidens des gouvernemens de Milan et de Venise sont unanimement d’avis, qu’il n’est pas dans Vintérét de l’Autriche d’accepter l’offre susmentionnée. 347) 1. c. Vortrag vom 18. November 1832; Weisung vom 10. Dezember 1832; Bericht vom 12. Januar 1833, Nr. 383; Vortrag vom 4. März 1833.