Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
120 Richard Blaas Vermögen einen Priester für das Auditoramt ausfindig zu machen, und so muß er wohl oder übel seine Zuflucht zu den nicht adeligen Priestern nehmen, deren finanziellen Bedürftigkeit durch die Verleihung einer einträglichen Pfründe auf die Beine geholfen werden müßte. Er schlägt vor: zuerst die drey geistlichen Referenten hei den Landesstellen zu Triest, Grätz und Innsbruck, Anton Wolff, Ignatz Zimmermann und Franz Lu- schin, die ihm aber im Grunde für den römischen Posten nicht feil sind, als es für das Beste des Staats und der Kirche nicht rathsam zu sein scheint, dieselben ihrem dermaligen Wirkungskreise zu entziehen, besonders da die Aufgabe, religiös-moralische Priester von Kenntnis, Scharfsinn und Klugheit für die geistlichen Referate im Inlande zu finden, auch nicht allzeit leicht ist327). Die weiteren Kandidaten, auf die Graf Saurau sein besonderes Augenmerk richtete, sind Franz Sandermann, Rat und Kanzleidirektor des erzbischöflichen Konsistoriums in Wien, und Wenzel Schemba, Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechtes in Budweis, wobei er bei letzterem allerdings anmerkt, daß er, da er die böhmische Sprache besitzt, an einem anderen Platze, wo die Kenntnis einer slawischen Sprache erforderlich ist, vielleicht mit mehr Nutzen verwendet werden könnte. Mitten in diese mehr mühsame als erfolgreiche Suchaktion flatterte auf den Schreibtisch des Staatskanzlers ein Bittgesuch, das aus allen Verlegenheiten heraushalf. Fürst Alexander Ruspoli hatte von Rom aus beim Kaiser um die Verleihung der Auditoriatsstelle nachgesucht 328). Fürst Ruspoli brachte nun allerdings einige Voraussetzungen mit, die schwer in die Wagschale fielen: hohe Geburt, günstige Vermögenslage, ausreichende Kenntnisse und Empfehlungen von Seite der Kurie; dagegen fielen die Schattenseiten, daß er nämlich unter der französischen Regierung in Italien gedient hatte — nach den allgemeinen Zeugenaussagen konnte er höchstens als Mitläufer eingestuft werden 329) — nicht mehr ins Gewicht und wurden durch die Tatsache aufgewogen, daß er einst im Theresianum in Wien seine philosophischen und juristischen Studien absolviert hatte. Metternich und Saurau hatten sich sehr bald auf ihn als einzigen Kandidaten geeinigt und der Kaiser resolvierte den ihm vorgelegten Vortrag: Ich ernenne zu Meinem Uditore di Rota in Rom den Fürsten Alexander Ruspoli330). Die Ernennungsurkunde wurde unmittelbar danach ausgestellt 331). 327) St. K. Notenwechsel, Note an die österr. Hofkanzlei vom 4. I. 1823 und Note von der Hofkanzlei an die Staatskanzlei vom 23. März 1823. 328) St. K. Rom, Sammelfaszikel Auditoriat, Supplik Ruspolis vom 8. II. 1823. 32°) St. K. Vorträge, Vortrag vom 27. April 1823. Besagter Botschafter bestätigt ferner, dass Fürst Ruspoli, wiewohl er unter der französischen Regierung in Italien Dienste angenommen hat, dessen ungeachtet in einem guten Rufe steht, weil dieser Schritt nur eine Folge gebietherischer Umstände war und von niemand getadelt worden ist. 33°) 1. c. Resolution vom 5. Juli 1823. 331) St. K. Rom, Auditoriat, Konzept des Präsentationsschreibens, 16. Juli 1823.