Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 121 Die hier etwas eingehender aufgezeigten Schwierigkeiten bei der Besetzung des nationalen Auditoriats zeigen, daß es nicht mehr so leicht war, das kaiserliche Auditoriat im Stile des 18. Jh. weiterzuführen, es macht sich doch bereits der nicht mehr zu verwischende Trennungsstrich, den die umwälzenden Ereignisse der letzten Jahrzehnte zwischen dem ver­gangenen 18. und dem begonnenen 19. Jahrhundert gezogen haben, bemerk­bar. Fürst Alexander Ruspoli 332) wurde mit Motuproprio vom 4. August 1823 in die Rota aufgenommen 333) und am 14. August in der Anima als Vorstand eingeführt 334). Seine Wirksamkeit in der Anima, deren Interessen er ursprünglich sehr eifrig, allerdings im Sinne der dort zu dieser Zeit vorherrschenden Italiener, vertrat, führte zu einem heftigen Kompetenzstreit mit der kaiserlichen Botschaft 335), die das Protektorat über die Nationalstiftung ausübte. Auf diesen Streitfall kann hier nicht näher eingegangen werden. Während des Auditoriats des Fürsten Ruspoli wurde eine für das kaiserliche Auditoriat wichtige Frage behandelt, allerdings völlig unab­hängig von der Person des Auditors Ruspoli, nämlich die Frage der Schaffung eines zweiten Auditorpostens für Österreich resp. das lombardo- venezianische Königreich. Zu Weihnachten 1827 äußerte Papst Leo XII. dem kaiserlichen Vertreter gegenüber den Wunsch, ohne daß von öster­reichischer Seite irgendwie darauf hingewirkt worden wäre, der Kaiser möchte von dem alten Rechte der Lombardei (Privileg von 1562 für die Universität Mailand) 336), einen Auditor zu ernennen, Gebrauch machen, nachdem es seit der französischen Okkupation geruht hatte 337). In der Staatskanzlei war man keineswegs erbaut über dieses Angebot des Papstes, 332) Fürst Alexander Ruspoli war am 5.Oktober 1785 zu Rom geboren. Er war, wie Botschafter Graf Lützow berichtet (12. I. 1833, Nr. 383), verheiratet gewesen und hatte 6 Kinder. 10 oder 12 Jahre nach dem Tode seiner Frau wandte er sich der geistlichen Laufbahn zu. Er wurde 1822 zum Priester ge­weiht, ohne ein richtiges Theologiestudium absolviert zu haben und erhielt das Jusdoktorat, nachdem er bereits in die Rota auf genommen worden war. 333) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 642. 334) Schmidlin, Anima, S. 697—699, 705—708. 335) Ygi st. K. Rom, Auditoriat, Ruspolis Beschwerde 1828. 336) s. h. oben S. 48. 337) St. K. Rom, Auditoriat, Bericht vom 5. I. 1828. Le Pape me charyea de rendre compte ä Votre Altesse du désir qu’Il entrenait que Sa Majesté l’Empereur veuille faire revivre un ancien droit de la Lombardié auquel Elle n’avait point encore renoncé, célúi de nommer un Auditeur de Rote pour Milan. Sa Sainteté m’avoua qu’outre l’intention de faire quelquechose d’agréable ä la Cour de Vienne, Elle se croyait obligée de récourir d Elle pour les motifs ci-dessus énoncés. Diese Gründe waren vor allem der Mangel an geeigneten Leuten für die höheren Staatsämter. — Le St. Pere m’a témoigné le plus vif désir que Sa Majesté veuille accéder ä Sa proposition et faire revivre un privilege dönt la vilié de Milan se glorifiait autrefois ... Sa Sainteté tient beaucoup d con- naitre bientőt les déterminations de Sa Majesté l’Empereur.

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