Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
116 Richard Blaas Mailands und Venedigs will Metternich nicht aufs Tapet bringen, da Österreich vorläufig nicht daran denke, mehr als einen Auditor anzustellen312). Die Frage, ob nun das österreichische Ernennungsrecht als einfache Übertragung der Prärogative des alten Reiches oder als völlig neu verliehenes Vorrecht anzusehen sei, dieses Problem soll nach Ansicht Metternichs als für die tatsächliche Ausübung des Ernennungsrechtes unerheblich nicht mehr angeschnitten werden: fai déjá dit plus haute qu’il n’y a point lieu ä remettre en these une question déjá decidée des ä présent et nous regardons la prérogative de nommer un auditeur de Rote pour L’Autriche comme ne pouvant plus faire l’objet d’aucune contestation puisqu’eile est fondée sur une reconnaissance formelle du Pape — Handschreiben des Papstes vom 16. Mai 1807 — qu’il ne lui seroit pas libre de révoquer. Lebzeltern begegnete auch bei der Durchführung der ihm aufgetragenen Aufgabe keinen wesentlichen Schwierigkeiten. Pius VII., der sich an die Verhandlungen von 1807 auch nur mehr summarisch erinnerte, war ohne weiteres geneigt, das nach den damaligen Verhandlungen Österreich zugestandene Ernennungsrecht anzuerkennen und die Aufnahme Odes- calchis in die Rota in die Wege zu leiten 313). Das einzige Hindernis drohte von Seite des Ernannten. Fürst Odescalchi hatte schon damals den Entschluß gefaßt, in den wiedererrichteten Jesuitenorden einzutreten; es gelang aber dem kaiserlichen Vertreter — so stellt es Lebzeltern wenigstens dar —, ihn zur Übernahme des Amtes zu bewegen314 315). Bereits am 23. Februar 1815 wurde Odescalchi die Autorisation zum Eintritt in die Rota erteilt, ohne daß eine neue Präsentationsurkunde ausgefertigt worden wäre. Offenbar erregte jetzt die 1807 so beanständete Ernennungsurkunde keine Bedenken mehr. Fürst Karl Odescalchi31B) wurde am 16. März 1815 in die 312) 1. c. II n’est pas mérne besoin que Nous fassions mention du droit qu’avoient Venise et Milan de nommer un auditeur de Rote, puisque pour le moment Nous ne pensons qu’a en nommer un seul. 313) Botschaftsarchiv Rom-Vatikan, Berichtsregister, Bericht vom 21. I. 1815 Nr. 69 A. En satisfaction des ordres de V. A. du 10 décembre je profitai des entretiens divers que j’eus avec le Pape et Mr. le Cardinal Pro-Secrétaire d’Etat afin de connaitre Leur opinion relativement ä l’auditoriat de Rote pour VAutriche, que je Leur presentai comme un objet précédement convenu et arrangé, sur le quel il ne pouvoit y avoir lieu discussion. — Sa Sainteté, qui ne se rappelloit guéres plus des details de cette affaire parut également satisfait de la decision de Sa Majesté de nommer un Auditeur et du choix de Msgr. Odescalchi. 314) 1. c. 315) Fürst Karl Odescalchi war geboren zu Rom am 5. März 1786. Er war bereits 1800 mit Pius VII. in Verbindung getreten, der ihn bald darauf zum Geheimkämmerer ernannte und beauftragte, dem Fürstbischof Colloredo von Olmütz die Insignien des Kardinalats zu überbringen. 1819 mußte er abermals als päpstlicher Abgesandter nach Wien reisen, um dem Bruder des Kaisers, Erz-