Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 117 Rota aufgenommen 316). Sein Vater, aus der durch Innozenz XI. berühmt und durch die Gunst des Hauses Habsburg groß gewordenen Familie OdescaJchi, war der Reichsfürst Balthasar II., Herzog vonSirmien (Ungarn), seine Mutter stammte aus der fürstlichen Familie der Giustiniani. Der neue österreichische Auditor war also nicht im eigentlichen Sinne für Österreich ein Ausländer und seine Ergebenheit gegenüber dem Kaiserhaus war über jeden Zweifel erhaben. Schon zufolge seiner hohen Geburt knüpfte der neue österreichische Auditor an die Tradition des kaiserlichen Auditoriats des 18. Jh. an, aber dieser Anknüpfungspunkt war nicht der einzige, der für einen völlig nahtlosen Übergang vom alten zum neuen Auditoriat spricht, denn auch die Amtsobliegenheiten, die Besoldung, die finanziellen Nöte waren die gleichen geblieben. Odescalchi erhielt ebenso wie seine kaiserlichen Vorgänger im Amte 4000 fl. als staatliche Besoldung und war im Falle der Behinderung des Gesandten mit diplomatischen Agenden betraut. Als nämlich im Frühjahr 1815 nach der Flucht Napoleons aus Elba der österreichische Gesandte Rom verlassen mußte, wurde der österreichische Auditor bei dem provisorischen Gubernium in Rom als Vertreter Österreichs akkreditiert und mit der Führung der Amtsgeschäfte betraut317). Noch eindringlicher dokumentiert den Zusammenhang mit dem Auditoriat des 18. Jh. der weitere große Aufgabenbereich des Nationalauditors, nämlich die Regentschaft an der deutschen Nationalstiftung in Rom. So wie die kaiserlichen Auditoren des vergangenen Jahrhunderts die Stelle eines Reggente an der Anima als Vorrecht ihres Amtes inne hatten, wurde auch Odescalchi mit ausdrücklichem Hinweis auf diese Prärogative am 8. August 1815 zum Vorstand gewählt318). Geblieben waren aber auch die großen finanziellen Erfordernisse, die es nur Söhnen aus vermögenden Häusern gestatteten, dieses Amt zu übernehmen. Der jährliche staatliche Zuschuß deckte, wie die Gesandtschaft auch von Audiherzog Rudolf, das Kardinals-Birett zu überbringen. Am 10. III. 1823 wurde er zum Kardinal und Erzbischof von Ferrara ernannt. 1826 trat er an die Spitze der Kongregation für Bischöfe und Regularen. Unter Gregor XVI. wurde er Vizekanzler der römischen Kirche und Kardinalvikar von Rom. Im Dezember 1838 trat er in den Jesuitenorden ein. Er starb am 17. August 1841 in Modena. Vgl. den umfangreichen Artikel über ihn von O. Pfülf S. J. in Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon Bd. 9 (1895), Sp. 681 ff. (Im Lexikon f. Theologie u. Kirche hrsg. von Buchberger hingegen ist Odescalchi nur ganz kurz erwähnt). 31B) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 629. Im Diario di Roma vom 4. März 1815 wurde seine Ernennung zum kaiserlichen Auditor groß angekündigt — (Beilage zu Bericht Lebzelterns vom 4. III. 1815, Nr. 77, Lit. G). 317) St. K. Rom, Auditoriat, Bericht Lebzelterns vom 4. April 1815. En quittant cette Capitale je laissai accredité prés du Gouvernement provisoire Romain Msgr. Odescalchi, Auditeur de Rote. — Die amtliche Korrespondenz Odescalchis aus dieser Zeit findet sich im Botschaftsarchiv Rom-Vatikan II, 1815 Correspondance de Msgr. Odescalchi. 318) Schmidlin, Anima S. 697.