Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 103 Der Bewerbung des Grafen Strassoldo kam diesmal ein Umstand besonders zugute: der Kaiser hielt sich gerade in Rom auf und war in dem Bestreben, der Kurie in unwesentlichen Dingen gefällig zu sein, geneigt, Empfehlungen von dieser Seite Gehör zu schenken. So schrieb er Anfang Februar 1784 an Fürst Kaunitz: Lieber Fürst Kaunitz! Da ich geneigt bin, dem Pabsten in gleichgültigen Sachen einen Gefallen zu er­weisen, so will ich die durch den Austritt des Grafen von Salm erledigte Stelle eines Auditor Rotae dem Grafen Strasoldo, so sich mehrere Jahre hier befindet, in einem sehr guten Ruf stehet, und Mir auch vom Kardinal Hrzan angerühmt wird, verleihen. Sie werden also hiernach das nöthige veranlassen218). Der Reichsvizekanzler, in dessen Kompetenz die Ernen­nung des Nationalauditors fiel, schrieb sich in dem Vortrag 278 279) Wegen Benennung des Grafen Strassoldo zum Auditor Rotae seinen Ärger darüber von der Seele, daß der Kaiser das Handbillet an Staatskanzler Kaunitz und nicht an ihn abgefertigt hatte, konnte aber im übrigen die erfolgte Ent­scheidung nicht mehr umstoßen. Bei der Reichskanzlei waren als Kandi­daten außer Strassoldo noch vorgemerkt Graf Wenzel von Edling und Prälat Klotz von Rosenburg. Daß Graf Carl Matthias Stras­soldo 28°) seine Ernennung nur dem Umstande zu danken hatte, daß der Kaiser gerade in Rom weilte, darf als sicher angenommen werden. Am Hofe zu Wien hatte er weder einflußreiche Verwandte noch Gönner, er blieb deshalb auch der einzige kaiserliche Auditor des 18. Jh., der sein Amt 21 Jahre lang inne hatte und im Amte starb. Strassoldo überreichte bereits am 19. April 1784 der Rota das päpst­liche Motuproprio, nachdem ihm wegen des fehlenden Jusdoktorates Dis­pens erteilt worden war281). Ihm wurde auch kaum Gelegenheit geboten, politisch hervorzutreten, weil er, in Rom aufgewachsen und erzogen, nicht ausgesprochen zur theologischen Dienerschaft Josephs II. gehörend, nicht das Vertrauen des Hofes genoß. Solange Kardinal Hrzan die Geschäfte führte, kommt auch seiner Berichterstattung nur sekundäre Bedeutung zu. Als Hrzan 1796 vor den anrückenden Franzosen das Feld räumte, avancierte der Auditor zum kaiserlichen Geschäftsträger ganz entspre­chend der Stellung der kaiserlichen Auditoren im 18. Jh. Nachdem 1798 die römische Republik ausgerufen worden war und die päpstliche Regie­rung und somit auch die Rota außer Funktion gesetzt war, zog er sich nach Florenz zurück, von wo aus er sich lebhaft vor allem um die Wahrung der Interessen der deutschen Nationalstiftung der Anima, deren 278) St.K. Rom, Varia 65, kais. Handbillet an Fürsten Kaunitz s. d. 279) 1. c. Vortrag vom 13. Februar 1784. 28°) Graf Carl Matthias von Strassoldo, geb. am 28. April 1736, Sohn des Joseph und der Franziska geb. Porzia, in dem Städtchen Strassoldo, wurde am 6. Dezember 1761 in Rom zum Priester geweiht und hielt sich seitdem in Rom auf. Zuerst Auditor Imperialis wurde er 1784 zum kais. Auditor Rotae befördert. Er starb in Rom am 2. Dezember 1806. Vgl. Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 611. 281) Cerchiari, a. a. 0.

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