Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

102 Richard Blaas zusammensetzte, hatte ihn im steilen Aufstieg an die Spitze der kirchlich- politischen Funktion dieses Amtes geführt. Um die nach Hrzans Erhebung in den Kardinalsstand vakante Audi­torstelle bewarben sich zwei Kandidaten: so bittet darum durch das sub A hier beiliegende Memorial der Sohn Euerer kais. Maj. gewesten Obrist- lcämmerers, der Franz Graf von Salm Reifferscheidt, Domkapitular zu Salzburg und Domicellar zu Cölln und Strassburg, von welchem seine erlangten Kenntnisse und Diensteifer angeführet werden ... obschon die bevorstehende Beförderung des Grafen Hrzan zur Kardinalswürde bereits seit mehrerer Zeit allgemein bekannt ist, so hat um sothanes Auditorat jedoch bisher niemand als der schon längere Jahre zu Rom sich befindende Graf Karl Matthias Strasoldo durch das sub B hier angefügte Schreiben hier angesonnen, welcher zwar Kenntnisse jedoch wenige Mittel besitzet, um die doch ansehnliche Auditoratswürde mit Anständigkeit zu führen und da dem obbemeldten Grafen Salm zugleich die väterlichen Verdienste das Wort sprechen, so habe die Auswahl lediglich der allerhöchsten Entschlie­ßung zu unterwerfen273 274 27S). Wie diese Entschließung ausfallen würde, war kaum mehr zweifelhaft. Joseph II. vermerkte auf dem Vortrag: Ich ernenne dazu den Graf fen Salm 274). Für Franz Graf von Salm-Reiffer­scheid 275) war das Auditoriat ebenso wie für viele seiner Vorgänger nur das Sprungbrett für eine erfolgreiche kirchliche Karriere, die ihn, wenn auch spät, bis zum Kardinalat emportrug276). 1780 in die Rota auf­genommen, waltete er seines Amtes nur knapp zwei Jahre, denn bereits 1782 ließ er sich von der Rota beurlauben und kehrte dann nicht mehr nach Rom zurück, da es ihm in der Zwischenzeit gelungen war, sich die kaiser­liche Präsentation auf das Fürstbistum Gurk zu sichern. Nachdem er am 20. November 1783 zum Fürstbischof gewählt worden war, legte er sein Auditoriat zurück 277) und ermöglichte damit endlich dem Grafen Stras- soldo den langersehnten Aufstieg in dieses Amt. 273) St.K. Rom, Varia, Fasz. 65, Vortrag vom 21. Juli 1779. 274) 1. c. 275) Franz Xaver Salm-Reifferscheid, geb. 1. Februar 1749 zu Wien, Sohn des Anton und der Maria Raphaela, geb. Gräfin Rogendorf, erhielt 1767 eine Domherrenstelle zu Olmütz und bei Gelegenheit der Krönung Josephs II. ein Kanonikat zu Salzburg. Sodann wurde er in die für Adelsgeschlechter bestimm­ten Kapitel von Köln und Straßburg als Domicellar eingeführt. Die Weihen erhielt er 1775 in der Peterskirche zu Rom. 1779 zum Auditor ernannt, das vor­geschriebene Jusdoktorat wurde ihm im Dispensweg erlassen, erhielt er 1784 das Fürstbistum Gurk, am 23. Nov. 1817 wurde er zum Kardinal erhoben. Graf Salm starb am 19. April 1822. Vgl. Wurzbach, a. a. O., Bd. 28, S. 120 ff.; Cerchiari, a. a. O., vol. II, dt. 608. 278) Gams, Ser. Episc., S. 279. 277) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 608. Ipso de licentia absente anno 1783, Romae dicebatur sub initio mensis decembris „quod electus fuerit ad Ecclesiam Gurgiensem“. Nec Romám unquam repetiit postea, usque dum die 19 április 1784 Rotae per epistolam nunciatum est, Rpd. de Salm „ultro se abdicare a munere Auditoratus“.

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