Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 101 logischen Dienerschaft Josephs II. und war wie sein Bruder, der Staats­minister, einer der konsequentesten Verfechter des josephinischen Staats­kirchenthums 287). Der Nachfolger des Grafen Pergen stand bei'eits vor dessen Abgang aus Rom fest. Es war der bei Maria Theresia hoch in Gunst stehende Graf Franz de Paula Hrzan von Harras 298), der wie sein Vorgän­ger ein williges Werkzeug für die Durchsetzung des Staatskirchentums in Österreich war und daher auch bald nach Antritt seines Auditoriates der Vertrauensmann des Wiener Hofes für die Vertretung der kirchenpoliti­schen Neuerungen wurde, die man dem alternden Kardinal-Minister Albani nicht zuzumuten wagte und auch nicht anvertrauen wollte. Hrzan wurde kaiserlicher Geschäftsträger für geistliche Angelegenheiten. Mit Dispens vom Jusdoktorat — er hatte das Doktorat der Philosophie und Theologie — wurde er am 6. Oktober 1770 zur Rota zugelassen * 26 * * * 269). Seine intensive und skrupellose Mitarbeit beim Ausbau des josephinischen Staatskirchentums trug ihre Früchte. Am 11. Juli 1779 wurde er durch das Kardinalsbirett ausgezeichnet 27°) und bald darauf zum Kardinal-Minister und Kardinal­protektor ernannt271). Als ihm das Anrücken der französischen Legionen 1796 den Rückzug aus Rom geraten erscheinen ließ, war auch seine politische Laufbahn zu Ende. Kaiser Franz II., bei dem er nicht in Gunst stand, verlieh ihm zum Lohn seines Mitwirkens beim Konklave von 1799/1800 als Ausgedinge das unbedeutende Bistum Steinamanger in Ungarn, wo er 1804 starb 272). Das kaiserliche Auditoriat, das sich im 18. Jahrhundert aus einer kirchlichen und einer politischen Komponente 26T) F. Maaß, Der Josephinismus, Quellen zu seiner Geschichte in Öster­reich, F.R.A. 11/72, S. 40 ff. 26S) Franz Graf Hrzan von Harras, geh. zu Prag 5. April 1735, Sohn des Sigmund Gustav und Maria Anna von Harrach verw. Gräfin Rabatta, studierte in Prag bei den Pianisten und hierauf als Zögling des Konvikts der Jesuiten an der dortigen Universität, 1753 fand er Aufnahme im Germanikum in Rom, wo er fünf Jahre studierte und seine theologischen Studien beendete. Nach Böhmen zurückgekehrt, wurde er Domherr und Generalvikar in Breslau; später ernannte ihn die Kaiserin zum Gesandten in Parma. 1770 Auditor, 1775 Geschäftsträger für geistl. Angelegenheiten, 1779 Kardinal, Botschafter und Protektor, 1796 ver­ließ er Rom. Den letzten Dienst leistete er der kaiserlichen Politik im Konklave von Venedig. Er starb als Bischof von Steinamanger am 1. Juni 1804. Vgl. Steinhuber, a. a. O., 11/308 ff.; Wurzbach, a. a. O., Bd. 9, S. 364. 2") Cerchiari, a. a. O., vol. II, Nr. 600. In utroque autem jure cum doc- toratus lauream haud careret, Pontifex ab ea dispensavit sub die 18. jul. 1770. Regiae Capellae Bohemicae et Collegialis Ecclesiae ad Omnes Sanctos Decanus, necnon Abbas infulatus B.M.V. in Almád Regni Hungáriáé Praelatus, ac Papae Praelatus domesticus. 27°): Pastor, a. a. O., XVI/3, S. 250 f. 271) R. Blaas, Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichi­schen Nation im 18. und 19. Jahrhundert, in Mitteilungen des österreichischen Staatsarchivs, Bd. 10, S. 160 f. 272) Blaas, a. a. O., S. 166.

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