Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
100 Richard Blaas 2. Pflicht zur Berichterstattung im Wege der Botschaft an die Reichskanzlei : die behörige und umständliche Berichte an Uns zu erstatten und nicht nur jenes zu hinterbringen, was über des teutschen Reichs und der alldortigen Stifter Angelegenheiten bei der römischen Rota vorkommet, sondern auch ivas in denen politischen Geschäften sich zu Rom ereignen mag ; 3. Engstes Zusammenwirken mit der Botschaft; 4. Ein vernehmliches Vorgehen mit dem Kardinal Komprotektor jene Fälle jedoch ausgenommen, wo ihm über ein oder andere Angelegenheit ein besonderer und zu einer alleinigen Besorg- und Geheimhaltung gerichteter Auftrag Unsererseits zugehen mögte; 5. Sich bei dem römischen Hof- und Ministerio, wie auch all übrig (soviel ohne Unsern und des ihme anvertrauten Auditoriats Abbruch beschehen mag) allerdings beliebt zu machen261). Colloredo hatte nicht viel Gelegenheit, seiner Instruktion entsprechend hervorzutreten, denn kaum in die Rota aufgenommen, erreichte ihn die Berufung auf den durch die Transferierung des Grafen Thun frei gewordenen Bischofsitz von Gurk 262), von wo aus er 1772 als Erzbischof nach Salzburg berufen wurde. Auf den durch den 1761 erfolgten Abgang Colloredos freien Richtersitz an der Rota rückte bereits 1762 Graf Johann Bapt. Joseph von Pergen 263) nach, der, obwohl er sich als letzter Kandidat um die Stelle beworben hatte 264), die übrigen Kandidaten — Graf Sebastian Lodron, Hrzan von Harras, Strassoldo und Freiherr v. Wetzel — auf Anhieb überrunden konnte, wohl dank der Hilfe seines Bruders, des Staatsministers Anton Graf Pergen. Die nunmehr wieder übliche staatliche Besoldung mußte natürlich auch ihm gewährt werden; sie betrug 4000 fl. jährlich als Gehalt, 1000 fl. Equipierungszulage und 1000 fl. Reisegeld 265). Das päpstliche Motuproprio präsentierte er der Rota am 23. November 1762 und erhielt während seines Rotanoviziates, wie die meisten seiner Vorgänger, auch das vorgesch rieben e Doktordiplom 266). Als er 1769 für das Bistum Mantua ausersehen wurde, verließ er 1770 die Rota. Als Fürstbischof von Mantua spielte er in der Kirchengeschichte mehr eine berüchtigte als berühmte Rolle; er gehörte jedenfalls zur treuesten theo261) St. K. Rom, Varia, Fasz. 65, Wien, 29. Okt. 1759, Instruction für Hieron. Grafen von Colloredo als Auditorem Rotae Romanae. 262) Gams, Series Episc. 279. 263) Johann Bapt. Joseph von Pergen, geb. am 16. April 1720, Sohn des Johann Ferdinand Wilhelm und der Maria Elisabeth Freiin Orlick von Lazizka, absolvierte seine theologischen Studien am Germanikum in den Jahren 1736 bis 1740 und erhielt ein Kanonikat in Olmütz. 1762 Auditor Rotae, 1770 Bischof von Mantua. Er starb am 12. Nov. 1807. Vgl. Wurzbach, a. a. O., Bd. 22, S. 6; Steinhuber, a. a. O., Bd. II, S. 299 ff. 264) St. K. Rom, Varia, Fasz. 65. Vortrag vom 6. Juni 1762. Ebenda, Dekret für Pergen vom 30. Juni 1762. 265) 1. c. Hofkammer an Reichshofkanzlei, 12. August 1779. 266) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 592 et per breve diei 25 jan. 1763 declaratus a Clemente doctor in utroque jure.