Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

98 Richard Blaas Graf Karl Anton Stadion-Thannhausen2B2) wurde am 6. Oktober 1752 in die Rota aufgenommen 252 253) und war ebenso wie seine Vorgänger als politischer Berichterstatter tätig. Er versuchte seiner Ver­pflichtung zu standesgemäßem Auftreten auch ohne staatliche Besoldung gerecht zu werden, was ihm gelang, solange ihm sein Bruder, der Fürst­bischof von Bamberg, entsprechende Zuwendungen machte. Als dieser 1757 starb und die brüderlichen Subsidien daraufhin versiegten, sah sich Stadion außerstande, das Auditoriat nach dem bisherigen Standard weiterzuführen. Er begab sich zunächst zwecks Regelung von Familien- und Präbenden- angelegenheiten über Wien nach Speyer. In Wien hatte er der Reichskanzlei seinen Entschluß bekanntgegeben, nicht mehr nach Rom zurückzukehren. Von diesem Entschluß konnte ihn auch nicht mehr der päpstliche Nuntius abbringen 254), so daß sich die kaiserliche Regierung 1759 in die Not­wendigkeit versetzt sah, ihm zugleich mit der förmlichen Entlassung aus dem Auditoriat den Dank für geleistete Dienste zu übermitteln und für die Nachfolge Sorge zu tragen 255). Es war vorauszusehen, daß man nach dem finanziellen Fiasko des Grafen Stadion keinen Kandidaten mehr auftreiben konnte, der geneigt und in der Lage war, aus Eigenem die enormen finan­ziellen Anforderungen zu tragen, die dieses Amt nunmehr erforderte, seit­dem der kaiserliche Auditor an der Rota durch die Verschiebung seines Tätigkeitsfeldes auf die politische Ebene zum ständigen Botschaftsvertreter avanciert war und dementsprechend in der Öffentlichkeit auftreten mußte. heute den Entschluss gef asset, deroselben zu dem Auditorat der teutschen Nation der römischen Rota mildigst zu benennen. 252) Karl Anton von Stadion war das 24. Kind des Johann Philipp Joseph und das zehnte von dessen dritter Frau Maria Anna Wambold von Umstatt. Geboren am 15. Januar 1726. Zum Priester geweiht wurde er erst nach seiner Ernennung zum Auditor am 22. Mai 1752 und am 23. Nov. 1752 promovierte er aus beiden Rechten. Er war Domherr von Trier, Speyr und Würzburg. Gestorben 12. Jänner 1789. Vgl. Wurzbach, a. a. O., Bd. 37, S. 32; Schmidlin, Anima S. 620, Anm. 2; Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 577. (Woher Cerchiari die Angabe be­zieht: „deinde S. R. E. Cardinalis“ ist leider nicht vermerkt, beruht aber offen­bar auf einen Irrtum.) 253) Cerchiari, a. a. 0.; St. K. Rom, Varia Fasz. 51, Decretum pro Carolo Antonio Comité de Stadion ad Auditoratum Rotae Romanae. 18. III. 1752. 254) St. K. Rom, Varia 65, Stadion an Reichsvizekanzler über seinen Ab­gang aus Rom, ddo. Rom, 19. Okt. 1757; Nuntius in Wien an Graf Stadion ddo. Wien, 11. u. 13. März 1758; Vortrag vom 6. Febr. 1759: ... nachdeme er (Sta­dion) all das Seinige zu seinem Unterhalt zu Rom daran gesetzet, nachhero aber, da ihm durch den Todesfall seines Bruders, des letzt abgelebten Bischoffs von Bamberg, der von demselben ihm zu seinem Unterhalt zu Rom gereichte erhebliche Beitrag entgangen ist .. . gleich er auch seitdem nicht mehr zu bewegen gewesen, nacher Rom zurückzukehren, sondern seine alldortige Equi­pages und Fahrnisse insgemein hat verkauf fen lassen. 255) 1. c. Reichsvizekanzler an Stadion ddo. Wien, 7, März 1759: — so haben Ihro kais. Maj. keinen Anstand nehmen wollen zu dero Entlassung von dem teutschen auditorat .. . mir aber zugleich auf getragen in allerhöchst Ihro Nahmen Ew. Hochw. die gnädigste Zufriedenheit zu bezeugen.

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