Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 97 erregendes großartiges Auftreten zu heben 248). Daß das Auditoriat für den fähigen und diplomatisch geschickten Grafen nur die Startbahn für seinen Aufstieg bildete, war vorauszusehen. Bereits 1751 wurde er für seine Dienste zum Erzbischof von Carthago i.p.i. und Coadjutor des Erzbischofs von Mecheln in den österreichischen Niederlanden ernannt. Am 4. Oktober 1751 schied er aus der Rota und wollte sich über Wien in seine Diözese begeben, statt dessen wurde er aber für 4 Jahre mit der Leitung der kaiserlichen Botschaft am spanischen Hof betraut. 1756 verlieh ihm Maria Theresia das Bistum Waitzen in Ungarn und 1757 das Erzbistum Wien, das allerdings gering dotiert war. Als er 1761 zum Kardinal erhoben wurde, bestätigte ihm der Papst neben dem Fürsterzbistum Wien die Administration des Bistums Waitzen. Nach der glänzenden Amtsführung Migazzis war die Regelung der Nachfolge nicht ganz einfach, da der Neuernannte einerseits den von seinem Vorgänger in Rom gezeigten Aufwand beibehalten, andererseits aber nicht dem durch die Erbfolgekriege ohnehin überforderten Staatssäckel durch Gehaltsforderungen zur Last fallen sollte. So war das wichtigste Ausscheidungskriterium bei der Sichtung der vorgeschlagenen Kandidaten diesmal die finanzielle Unabhängigkeit des Betreffenden 249). Die Reichskanzlei richtete ihr Augenmerk speziell auf die Erz- und Hochstifte Salzburg, Passau und Olmütz, um von diesen Kapiteln einen geeigneten Kandidaten zu finden250). Von den vorgeschlagenen 5 Kandidaten: Grafen Saurau, Althan, Stadion, Lodron und Frankenberg kamen eben wegen der finanziellen Erwägungen nur Althan und Stadion in die engere Auswahl. Der Kaiser entschied sich schließlich für Stadion, der sich verpflichtet hatte, auf jedweden staatlichen Zuschuß zu verzichten und den nötigen Aufwand aus eigenem zu bestreiten251). 248) Über seine Aufführung heißt es in der Note touchant le ehoix des auditeurs de la Rote vom 16. Jan. 1752 il a fait une dépense si brillante et si honorable au decorum de cette cour ä celui de l’Empire et de toute la nation allemande. St. K. Rom, Varia Fasz. 65. 249) 1. c. Vortrag vom 13. Dezember 1751. ... sondern ein auditor Rotae auch zuweilen zur Besorgung und Beförderung derer politischen Angelegenheiten sich mit anzuwenden hat, folglich zugleich nötig ist, dass selber sich nebst der erforderlichen Fähigkeit annoch im stand befinde ein genügsames ansehen und Vertrauen sich erwerben zu können, um das kais. allerhöchste decorum in der behörigen Achtung zu erhalten, welches derer dermahligen römischen umständen halber sowohl als auch der owe gen erforderlich sein wird, weilen von dem obgemeldten Conte Migazzi all obangeführte Obliegenheiten mit besonderer distinction erfüllet worden und die allgemeine Aufmerksamkeit zu Rom, wie auch daraus fliessende Rücksicht für einen Hof, hierauf bei dem Römischen weit •mehrere als bei verschiedenen andern Höfen gerichtet wird. 2B0) 1. c. 2B1) 1. c. Note touchant s. o. Anm. 248) und Schreiben des Reichsvizekanzler an Grafen Stadion vom 2. III. 1752: Mit besonders ausnehmenden Vergnügen ermangle nicht E. H. alsogleich zu eröffnen, wie I. kais. Maj. eben Mitteilungen, Band 11 7