Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
96 Richard Blaas die den Abbruch der Beziehungen zu Maria Theresia hätte zur Folge haben können, würde ankommen lassen. Alle Versuche Karls VII. in dieser Richtung scheiterten an der intransigenten Haltung des Auditors Thun. Als er 1744 Rom verließ, um sich zur Bischofswahl nach Salzburg zu begeben, ließ er sich von der Rota nur beurlauben, obwohl bereits feststand, daß er nicht mehr auf seinen römischen Posten zurückkehren würde. Er verzichtete auf das Auditoriat erst in dem Augenblick, in dem der neue Kaiser Franz I. gewählt und ein Nachfolger für das Auditoriat bereits ernannt war 244). Der Nachfolger des Grafen Thun, Christoph Anton Graf Migazzi 245 *), noch vor der Verzichtserklärung des ersteren ernannt, wurde am 2. Mai 1746 in die Rota auf genommen 24e). Der Schwerpunkt von Migazzis Aufgabe lag von Anfang an auf politischer Ebene. Er sollte hauptsächlich das Aussöhnungswerk zwischen den beiden Regierungen zu einem guten Ende führen. Daß ihm dies in verhältnismäßig kurzer Zeit gelang, spricht für sein diplomatisches Geschick; unterstützt wurden seine diesbezüglichen Bestrebungen allerdings weitgehend durch die auf beiden Seiten bestehende Bereitschaft zur Aussöhnung. Hatte Benedikt XIV. noch vor wenigen Jahren erklärt, keinen Auditor der Rota mehr als Gesandten anzunehmen, so war der Auditor Migazzi bald wieder ein gern gesehener Gast in den Audienzen des Papstes 247). Migazzi verstand es aber auch vortrefflich, das Ansehen des kaiserlichen Auditoriats durch ein seiner diplomatischen Stellung entsprechendes und sogar in Rom Aufsehen Monreale e per tollerarsi ora in Roma Ministri dei Re di Spagna e di Francia il Sign. Card. Aquaviva arcivescovo pure di Monreale ed il Sign. Card, di Tenien arcivescovo di Lione, ma si e lasciato e si lascia restar in Rota col titolo di luogotenente, senza perb aver posta cosa veruna in carta ne spedito breve. L. c. Memoria sopra l’uditorato des Nuntius Doria, Beilage zum Referat vom 13. Juli 1742. 244) Cerchiari, a. a. 0., vol. II, nr. 567. Discessus a Rota de mense oct. 1744 iturus ad electionem Archiepiscopi Salisburg. Romám amplius non rediit, et tandem litteris sub dato 25. nov. 1745 licentiam petiit a S. Tribunali. — Am 13. Oktober 1745 hatte Franz I. die Ernennung Migazzis genehmigt s. h. St. K. Rom, Varia Fasz. 47, Supplik Migazzis vom selben Datum. 245) Christoph Anton Graf von Migazzi, Sohn des Vinzenz und der Barbara, geborenen Baronin Prato, am 14. Oktober 1714 geboren, studierte Humaniora und Philosophie bei den Jesuiten in Passau, trat 1732 ins Kollegium Ger- manicum ein, wo er 1736 seine theologischen Studien vollendete. Er erhielt ein Kanonikat in Brixen, studierte in Innsbruck Kirchen- und Staatsrecht. 1740 nahm ihn Kardinal Lamberg als Konklavisten mit nach Rom, wo er weitere zwei Jahre blieb. 1742 wurde er Domherr in Trient und 1745 Auditor. Vgl. C. Wolfsgruber, Christoph Anton Kardinal Migazzi, Fürsterzbischof von Wien, Saulgau 1890; Steinhuber, Geschichte des Kollegium Germanikum Hungarikum II, 287 ff. 24e) Cerchiari, a. a. 0., vol. II, nr. 573. 247) Dem Papst Benedikt XIV. gefiel der gelehrte und in makellosem Tugendglanze lebende Uditore so wohl, daß er zu sagen pflegte: „che egli doveva servire di esempio agli altri Prelati'1. Wolfsgruber, a. a. O., S. 40.