Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 95 Amtes für das Reich mit Staunen entnommen: so seind doch nachhero die hiebey sowohl in ipsa nominatione als continuatione et arocatione exercirte jura Caesarea immer höher gestiegen sowohl in denen Jcaiserl. Praesen- tations-Schreiben ad Summum Pontificem, als in denen decretis so hierüber an die praesentatos erlassen worden, wird öffters eingeschärfft, dass sothane nomination ex officio caesareo herrühre, dass ein solcher praesen- tatus vor allen dingen trachten müsse, sich um Kais. Maj. und das Reich weiter verdient zu machen, und dass er nicht allein wohl obacht zu tragen habe, damit in der Rota nichts contra constitutiones Imperii oder wider das Reichsabkommen vorgenommen werde, sondern auch die ihme zur Wissenschaft kommende arcana caesarea bis in seine grübe verschweigen und geheim halten solle, welches alles fast mehr einem ministro caesareo als officio papali ähnlich siehet240). Nach diesen Erhebungen aus den Akten war man in der Kanzlei Karls VII. noch weniger gewillt, auf dieses Ernennungsrecht zu verzichten und so wurde einfach ein Präsentationsschreiben für den ausersehenen neuen kaiserlichen Auditor, den Grafen öttingen-Baldem, konzipiert. — Post delatum Rev. Cardinali Borghese Comprotectoris totius nationis Germaniae munus et praestita per eundem Sanctae Sedi consueta sub initio Caesarei regiminis officia, nihil magis nobis incumbere censemus, quam ut ad Auditoratum dictae Nationis potis- simam Nostram curam dirigamus 241) — und ein entsprechendes Ernennungsdekret angefertigt. Dem Auditor Thun wurde die kaiserliche Entschließung in unmißverständlicher Weise mitgeteilt: Euer bischöfl. Hoch- ivürden werden von Selbsten ermessen, wie wenig dero bisherige betragnuß Ihro lcais. Maj. und dem seinem allerhöchsten Oberhaupt gebührend anhangendem gesamten Reich habe anständig fallen können und wie wenig mithin Ihro kais. Maj. in stand seind, deroselben die continuation des unter weiland Caroli VI. Maj. erhaltenen Auditorats teutscher Nation zu vergönnen. Gleichwie nun Ihro kais. Maj. bei solchen umbständen sich länger nicht haben enthalten mögen, zu würklicher nomination eines andern allerhöchst ihro und dem Reich anständigen subjecti zu schreiten, als habe auf allergnädigsten Befehl solches Euer bischöfl. Hochwürden hiemit nicht verhalten sollen 240 241 242). Diese Drohung vermochte auf Thun keinen wesentlichen Eindruck zu machen, denn er wußte sehr wohl, was auch bereits Nuntius Doria in seinem Memorandum der Kanzlei in Frankfurt klargestellt hatte243), daß es die Kurie nicht auf eine derartige Brüskierung, 240) 1. c. 241) 1. c. 242) 1. c. Konzept des Schreibens des Vizekanzlers Georg Graf Königsfeld an Auditor Thun. 243) Fatto Msgr. di Thun presente uditore di Rota tedesco vescovo di Gurgh ed avendo in manó gli affari della regina di Boemia, di cui era ed é Ministro appresso la Santa sede, non gli fu fatta istanza che uscisse di Rota et che come vescovo andasse alia sua residenza, per non sentirsi dire, che si era tollerato in Roma Ministro deli’Imperatore per tanti anni il Card. Cienfuegos arcivescovo di