Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

94 Richard Blaas Auditoriat weit mehr noch als für seine Vorgänger nur ein titulus colora- tus für die Durchführung seiner politischen Mission war. Ihm oblag nach dem 1739 erfolgtem Tode des Grafen Harrach und seiner noch von Karl VI. ausgesprochenen Ernennung zum Prominister 233) in den schweren Jahren der ersten Regierungszeit Maria Theresias die Durchsetzung ihrer kaiser­lichen Rechte. Er war ein leidenschaftlicher und blindwütiger Verfechter der Interessen seiner Monarchin, wodurch er nicht selten in argen Gegen­satz zur Kurie geriet234). So wenig sich Thun sonst um sein Amt bei der Rota gekümmert haben mag, so daß ihm sogar der Papst diese Vernach­lässigung seiner Pflichten vorwarf 235), als es Karl VII. beanspruchte, ver­teidigte er es verbissen. Karl VII. versuchte auch das Nationalauditoriat unter seine Jurisdiktion zu bringen als eine dem Reich zustehende Präro­gative. Auditor Thun, der das Kaisertum Karls VII. nur als Usurpation betrachtete, verteidigte seine Stellung in dem Bewußtsein, den gerechten Ansprüchen seiner Herrscherin zu dienen. Er weigerte sich, auch nachdem er 1742 zium Bischof von Gurk ernannt worden war 236), auf seinen Rota­posten zu verzichten und blieb als Locumtenens an der Rota. Karl VII. versuchte zunächst auf Anraten des päpstlichen Nuntius Doria 237), Audi­tor Thun auf gütlichem Wege zum Verzicht auf das nationale Auditoriat zu bewegen — dass allerhöchst dieselbe ihme die fortsetzung des Audi- torats teutscher Nation nicht gestatten könnten, und stat seiner einen andern zu präsentiren bereits allergnädigst resolvirt hätten, massen solches gedachten Grafen von Thun vielleicht dahin bringen dörffte, das Audi- torat, um einer förmlichen Absetzung vorzukommen, selbst zu resigniren und andurch sowohl den päpstlichen hof als Ew. kais. Maj. von anwendung schärferer mittel zu entheben 238). Die Kanzlei Karls VII. hatte sich in der Reichskanzlei in Wien Aktenabschriften über das kaiserliche Audi­toriat anfertigen lassen 239) und daraus die wachsende Bedeutung dieses stelle zu Salzburg und 1731 eine zu Passau, wurde mit 25 Jahren Auditor Rotae und am 18. Februar 1742 zum Bischof von Gurk ernannt. Er wurde am 19. No­vember 1761 vom Domkapitel zu Passau zum Bischof gewählt und seine Trans­ferierung von Klemens XIII. bestätigt. Er verschied bereits am 15. Juni 1763 zu Mattighofen. Vgl. Wurzbach, a. a. O., Bd. 45, S. 50 ff. 233) St. K. Rom, Varia Fasz. 45. Reichshofkanzlei-Referat die Benennung des Auditoris Rotae Grafen von Thun als kais. Pro-Ministro zu Rom betr., 28. Dezember 1739. 234) Pastor, Geschichte der Päpste XVI/1, S. 67. 238) Pastor, a. a. O., S. 80. 236) Gams, Series Episc. S. 279; Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 567. 237) St. K. Rom, Varia Fasz. 47, Memoria sopra l’uditorato di Roma-Msgr. Nunzio Doria. Beilage zum Referat vom 13. Juli 1742. 238) 1. c. AUerunterthänigstes Referat die Ernennung eines anderweitigen Auditoris Rotae betreffend. Frankfurt 13. Juli 1742. 239) 1. c. Inzwischen aber seind auch von Wienn die verlangten priora aus dem Reichsarchiv abschriftlich eingelauffen, welche denen in diesem Werk gel­ten zu machenden Juribus Caesareis ein großes Licht geben.

Next

/
Oldalképek
Tartalom