Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 93 orari voluit ac gratiam suam Caesaream eidem confirmát227 228 229). Diese For­mulierungen, die in den Dekreten derselben Zeit für andere Botschafts­angehörige in abgewandelter Form wiederkehren, beweisen doch das Eine ziemlich deutlich, daß der Schwerpunkt der Amtstätigkeit des nationalen Rotarichters sich vom kirchlichen Gerichtshof auf die Interessenvertretung des Reiches und des Herrscherhauses verschoben hat. Die durch den Tod Gentilottis seit 1725 offene Rotastelle wurde erst 1729 dem Grafen Johann Ernst von Harrach 22S) übergeben mit der für diese Zeit bezeichnenden Begründung Ihro Maj. haben in ansehung des supplens stattlicher studiorum fähigkeit und application dessen uhralt hauses und sonderlich dessen herrn Vatterns Verdiensten den 27. xbris 1729 gnädigst befohlen, demselben den caesareum auditoratum rotae gnädigst zu conferieren, dessenthalben das solitum decretum et reliqua observanda una cum instructione in ordnung zu setzen222). Als der Kardinal-Minister Cienfuegos 1735 von seinem Amte zurücktrat, ernannte Karl VI. den Auditor Harrach zu dessen Nachfolger, so daß wieder einmal die kaiser­liche diplomatische Vertretung dem Nationalauditor anvertraut war. Nach­dem Harrach 1737 zum Bischof von Neutra bestellt worden war, legte ei­sern Auditoriat der Rota zurück 230), blieb aber weiterhin als kaiserlicher Vertreter in Rom. Zu seinem Nachfolger im Auditoriat an der Rota wurde bereits am 3. August 1738231) Graf Josef von Thun 232) ernannt, für den das •227) Decretum pro Joanne Benedicto Gentilotti ad Auditoratum Rotae Romanae St. K. Rom, Varia Fasz. 32. 228) Johann Emst von Harrach, geboren am 9. April 1705, als Sohn des Alois Thomas Raimund, Vizekönig von Neapel, und der Gräfin Thannhausen, verwitwete Gräfin von Thun, 1729 in Salzburg zum Subdiakon geweiht, war Domherr in Salzburg und Passau. Die Grabinschrift in der Anima bezeichnet ihn außerdem als Propst von Passau und Altboleslav, Domherrn von Salzburg, Abt von Pescuarad und Celano. Das Jusdoktorat erwarb er 1731 in Rom. Har­rach starb 1739 erst 34 Jahre alt als kaiserlicher Geschäftsträger in Rom. Vgl. Wurzbach, a. a. 0., Bd. 7, S. 372; Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 559; Schmidlin, Anima S. 619, Anm. 2. 229) Rückvermerk auf der Supplik Harrachs vom 27. Okt. 1729. St. K. Rom, Varia Fasz. 39. 230) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 559. Idem Liber S. Rotae eum refert fuisse promotum ad eccl. Nitrien. in Ungaria in Consistorio diei 18 nov. 1737, quo die abiit. 231) Rückvermerk auf der Supplik des Grafen Thun: Ihr kais. Maj. haben dem Grafen Joseph von Thun in ansehung seiner uhralten Familie und seiner vorfahrer erworbener großen Verdiensten auch selbst besitzender guten Eigen­schaften und bereits erworbener Erfahrnis das vacirende römische Auditoriat teutscher Nation den 3. August 1738 allergnädigst conferiret. St. K. Rom, Varia Fasz. 45. Ebenda Dekret vom gleichem Datum. 232) Joseph Maria Thun-Hohenstein, geboren am 24. Mai 1713 als Sohn des Joseph Johann Anton von Castell-Brughier und der Margaretha Veronica von Thun von der Linie Castell-Thun, erhielt mit 16 Jahren eine Domherren­

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