Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
WAGNER, Hans: Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730
Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730 209 dorff meinte, daß dießes schreiben mit des königs von Pohlen an ihro königliche mayestet von Preußen selbst gethanem versprechen und Versicherung, wie er nimmermehr zugeben würde, daß mann Luxenbourg als ein zum reich gehöriges stück attaquirte und wegnehme, nicht übereinkäme57). Welches der könig selbst glaubte und zu wißen verlangte, was denn eigentlich Chursachßen mit dergleichen widrigen aufführung inten- tirete. Der general Seckendorff meinte, es wäre wohl mehr als zu gewiß, daß die Sevillanische alliirten dem könig von Pohlen hoffnung zu einigen kayserlichen erblanden machten, im fall, welches Gott verhüten wolle, das durchlauchtigste ertzhauß Österreich ohne männliche erben aussterben sollte, wodurch Chursachßen sich alsdenn hoffete, im stand zu setzen, den kayßerlichen trohn an sich zu bringen58). Der könig antworthete hierauf, daß was die hoffnung anlangete, etwas von kayßerlichen erblanden zu bekommen und den königlichen titul in dem churhauß Sachßen auch ohne die crone Pohlen zu continuiren, allerdings der könig von Pohlen damit schwanger gienge und sich auch lezthin den tag von der jagd sonderlich wegen des königlichen tituls gegen ihm herauß gelaßen, daß er gerne möchte könig der Vandalen genennet werden. Es könnte auch wohl seyn, daß er auf das königreich Böhmen eine absicht hätte; und wäre seines ermeßens eine schlechte politique vom Wienerischen hoff geweßen, daß mann die zwey Josephinische ertzherzoginnen an Chursachßen und Bayern gegeben. Allein auf das kayßerthum möchte sich Chursachßen ja keine rechnung machen, denn er gebe es in ewigkeit nicht zu, daß ein so naher nachbar sollte kayßer werden und müßte ein vor allemahl die kayßerliche cron bey dem ertzhauß Österreich bleiben. Der geheime rath von Seckendorff 59) tractirte dießen mittag ihro königliche mayestet und den gantzen hoff. Abends aber war bunde reyhe bey hoff, dabey der herr marggraff von Bayreuth und ein graff von Hohenloh nebst seiner gemahlin, einer geborenen prinzeßin von Öttingen60), so dießen nachmittag ankommen ■waren. Nach der taffel wurde getanzet61), da ihro königliche mayestet mit den general Seckendorff bey zwey stunden sich allein unterhielten und neue Versicherung ihrer beständigen freundschafft mit kayserlicher 57) Zu Fleurys luxemburgischen Erwerbungsplänen vgl. jetzt Max Braubach, Versailles und Wien von Ludwig XIV. bis Kaunitz, Bonner historische Forschungen 2, Bonn 1952, besonders S. 175 f. 58) Über Frankreichs Vorschläge und Anerbietungen vgl. Philipp, a.a.O., S. 99 f., über die Großmachtpläne Augusts des Starken ebendort, S. 7 ff. 58) Freiherr Christoph Friedrich von Seckendorff, geheimer Rat und ans- bachischer Premier-Minister, von der Aberdar’schen Linie des Hauses. 8») Graf Karl Ludwig von Hohenlohe-Weickersheim, geb. 1674, 1713 in zweiter Ehe mit Friederike Sophie Elisabeth, Prinzessin von Öttingen, geb. 1691, vermählt. 6i) „Abends 6 uhr wahr eammer-music bey hoff und dann war bunterie, nach der taffel haben seine königliche mayestet mit ihro hoheit unserer gnädigsten frauen marggräfin polisch zu tanzen“ (Denkwürdigkeiten Meyers, S. 112). Mitteilungen, Band 10 14