Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

WAGNER, Hans: Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730

208 Hans Wagner marggräfin von Anspach hoheit53) gantz unvermuthet in der stadt waren, so stiegen ihro königliche mayestet in dem vor sie zubereiteten amthauß ab, allwo sie die frau marggräfin mit vielen freuden empfiengen und ihr allezeit die hand zum führen reicheten. Ihro mayestet besahen alda die manufacturen, rauchten alsdenn toback und speiseten abends. Den 2 2. July früh gegen 8 uhr fuhrn ihro königliche mayestet mit dem herrn marggrafen in deßen wagen nebst Bodenbruck und Seckendorff nach Anspach, dahin bereits die frau marggräfin vorausgegangen war, umb den könig, ihren herrn vater, zu empfangen. Unterwegs vermahnten ihro mayestet den herrn marggrafen zu guter harmonie mit dem herrn marggrafen von Bayreuth und fügten anbey, daß der printz von Bayreuth sein Schwager werden sollte54). Die ankunfft in Anspach geschähe nach 11 uhr. Die frau marggräffin empfingen den könig in dem nah am schloß liegenden sogenannten Gesandtenhauß55), alwo ihro mayestet quartier gemachet war, indem am schloß noch gebauet wird. Nachdem der könig abgestiegen und sich gewaschen, fuhr er mit der frau marggräfin nach dem schloß, besähe vor der taffel die zimmer und führte die frau marg­gräfin zur taffel, alwo sie wie allezeit die rechte hand im sitzen nehmen musté. Abends wurde in des königs logement gespeißet. Den 2 3. July wohnte der könig dem gottesdienst bey, besähe abends die casarme und den lustgarthen. Den 2 4. July regulirten ihro mayestet dero reiße nach Franckfurth am Mayn und schickten dero gedancken durch Schumacher 56) an general Seckendorff, an welchen sie auch das vom könig von Pohlen an sie wegen des kayßerlichen commissions-decrets erlaßene schreiben nebst demjenigen, was ihre ministers ihnen hiebey geschrieben, in original zusendeten. Die preußische ministers sind der meinung, es würde das chursächsische Votum in dießer Sache den kayßerlichen hoff wenig edificiren, hingegen ihro königlichen mayestet von Preußen durch ihr patriotisches Votum desto mehr rühm zuwachßen. Als der general Seckendorff hernach zum könig kommen, fragten ihn seine mayestet, wie ihm die sächßische antworth, sonderlich wegen des burgundischen creyßes, gefallen ? Der general Secken­53) Friederike Luise, Prinzessin von Preußen, die Lieblingstochter Friedrich Wilhelms I., geb. 1714, gest. 1784. 54) Der Erbprinz von Bayreuth, Friedrich, geb. 1711, gest. 1763, wurde 1731 mit Wilhelmine vermählt. 55) Die Quartierlisten für den König und sein Gefolge finden sich in den „Denkwürdigkeiten des Ansbacher Hoffuriers Johann Martin Mayer“, Ansbacher Historica Nr. 42 a, im Staatsarchiv Nürnberg, S. 109 ff. 5B) Elias Schumacher, Kriegsrat und geheimer Kabinettssekretär Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen, gest. 1747.

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