Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

WAGNER, Hans: Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730

Das Reisejoumai des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730 205 vormahlen wollen, ausgeschlagen. Mit viel contestationen von beständigkeit langete man in Altenburg an. Der herzog empfing ihro mayestet in dem innersten hoff und weil das schloß noch unausgebauet, so speisete die herrschaft in dem nah daran gelegenen gartenhauß, allwo auch einige dames mit zur taffel und bunden reyhe auf selbsteigenes verlangen ihro königlicher mayestet gezogen wurden35). Nach geendigter taffel wurde dem cronprintzen zu gefallen getantzet, der könig aber begab sich in den garten und schmauchete allda bis abends um 7 uhr toback, kam hernach in den saal, wo die gesellschafft war, und tanzete selbst verschiedene mahl, da endlich ihro mayestet gegen 8 uhr sich von dem herzog beurlaubet und gegen 9 uhr in gesellschafft des general Seckendorff nach Meuselwiz zu- ruckkamen 36), sich aber sogleich in dero zimmer retirirten und zur ruhe begaben, indeme sie sehr frühe andern tages aufzubrechen entschloßen waren. Den 18. July früh um 3 uhr sind ihro königliche mayestet von Meuselwiz aufgebrochen. In Saalfeld hatten des regierenden herzogs durch- laucht eine mahlzeit parat, ihro mayestet aber eileten fort nach Gräfen- thal, allwo sie des nachts zu bleiben resolviret hatten. Weil aber der herzog von Coburg37) mit seiner gantzen hoff Staat allda sich eingefunden hatte, umb ihro königliche mayestet zu bewirthen, fuhr der könig noch eine stunde weithers in ein dorff und logirte sich des nachts allda in eine scheuer. Den 19. July langten ihro mayestet früh gegen 9 uhr in Coburg in einer chaise mit dem cronprintzen an und gaben der verwittibten frau herzogin von Sachßen Meinungen hoheit38) eine visite, aßen auch zu mittag allda, wobey die beyden fürsten von Saalfeld39) sowohl als der Herzog von Hilperhausen 40) sich befanden, der letztere aber besonders distinguiret ward, weil er zwey schöne kerl an ihro mayestet gegeben hatte. Zu Kattels- dorff, die lezte post vor Bamberg, befunde sich herr Buirette41), umb ihro 35) Große Korrespondenz 112 b, fol. 93r: Statt „und — wurden“ steht „und wurden auf selbsteigenes verlangen ihro königlicher mayestet Zettel gezogen, wie mann nebeneinander sitzen sollte.“ so) Ebenda: „zuruckfuhren“. 37) Damals gab es zwei regierende Herzoge von Sachsen-Coburg, Friedrich Wilhelm, geb. 1679, gest. 1746, und Anton Ulrich, geb. 1687, gest. 1763. 38) Elisabeth Sophie, die zweite Gemahlin Herzog Ernst Ludwigs von Sachsen-Meiningen, geb. 1674, gest. 1748, war die Tochter Kurfürst Friedrich Wilhelms und Tante Friedrich Wilhelms I. 39) Christian Ernst von Sachsen-Saalfeld, geb. 1683, gest. 1745, regierte ge­meinsam mit seinem Halbbruder Franz Josias, geb. 1697, gest. 1764. ,0) Ernst Friedrich II. von Sachsen-Hildburghausen, geb. 1707, gest. 1745. 44) Isaac Daniel Buirette von Oehlefeldt, preußischer geheimer Kriegsrat, wirklicher Kämmerer und Vertreter beim fränkischen Kreis, geb. 1696, gest. 1766 (lt. gütiger Mitteilung des Staatsarchivs Nürnberg).

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