Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

WAGNER, Hans: Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730

206 Hans Wagner mayestet sein quartier zu Nürnberg zu offeriren, er wurde aber schlecht empfangen. Nach 5 uhr abends traffen ihro mayestet in Bamberg ein und obwohl das quartier im Groß-Kopf42) bestellet geweßen, auch die wacht zu fueß und pferd allda parat stunde und eine prächtige mahlzeit zugerich­tet war, so blieben doch ihro mayestet vor der stadt in einer scheuer nebst dem cronprintzen und der gantzen suite, fuhren aber annoch dießen abend in den fürstlichen wagen, umb den thom und den darinn befindlichen schätz sowohl als den hoffgarthen und Orangerie zu besehen. Den 20. July früh um 6 uhr besahen sie die neue fürstliche residenz und weil den tag eine große procession geschähe, begaben sie sich um 7 uhr früh in des Oberjägermeister herrn von Marschall behaußung43). Als die procession nach 8 uhren geendiget, fuhren ihro mayestet nebst dero suite in den fürstlichen Chaisen nach Pommersfelden, einem der gräflichen famille von Schönborn zugehörigen und zwey meilen von Bamberg liegenden schloß. In der königlichen chaise saß der general Seckendorff, der obriste Waldau und bambergischer Oberstallmeister von Rotenhan44 45 46), gegen wel­chen ihro mayestet sehr patriotisch und unter andern sprachen, wie Leven­öhr gantz kürzlich ihnen hätte wollen glauben machen, daß Teutschland und vornehmlich ihre lande gar nichts zu befürchten, wann gleich die Franzosen Philippsburg und andere festungen am Rhein wegnehmen. Er sähe aber nun selbst, daß dießes thörigte vorgeben nicht gegründet, indem eine feindliche armée, wenn sie vom Rhein meister, bis Magdeburg marchi- ren könnte, weil kein fester platz, so sie aufzuhalten vermögte. In Pom­mersfelden war der obermarschall von Bubenhofen4ä) bereits mit48) küchen und keller ankommen und nachdem ihro mayestet das prächtige schloß und die vortrefflichen schildereyen gesehen, sezten sie sich zur taffel und truncken ihro fürstlichen gnaden gesundheit in drey besondern gläßern, nehmlich einmahl als bischoffs von Bamberg, das andere mahl als bischoffs von Würzburg und das dritte mahl als junckhers von Pommers­felden47), wie sie denn überhaupt sich sehr vergnügt und frölich bezeu­42) Dieser Gasthof hat noch vor kurzem bestanden (Obere Königsstraße 5). Den Besuch des Königs in Bamberg hat G. von Horn in: Alt-Bamberg, Rück­blicke auf Bambergs Vergangenheit, 9. Jahrgang 1907, S. 33 ff. (Beilage zum Bamberger Tagblatt) beschrieben. 43) Christoph Marschalk von Ostheim auf Trabelsdorf, seit 1706 Jägermeister. 44) Johann Georg Freiherr von Rothenhan, bambergischer geheimer Rat. 45) Wilhelm Christoph von Bubenhofen, Domherr in Bamberg, kurmainzischer und bambergischer geheimer Rat, Oberhofmarschall und Oberstallmeister in Bamberg, geb. 1665, gest. 1747 (diese und die vorhergehenden Anmerkungen lt. gütiger Auskunft des Staatsarchivs Bamberg). 46) Große Korrespondenz 112 b, fol. 94r: Auf „mit“ folgt „fürstlich bamber- gischen“. 47) Friedrich Karl Graf von Schönborn, Reichsvizekanzler, geb. 1674, gest. 1746, wurde 1729 Bischof von Bamberg und Würzburg. Pommersfelden erbte er

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