Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

BLAAS, Richard: Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichischen Nation im 18. und 19. Jahrhundert

174 Richard Blaas Kardinalprotektorates an Kardinal Joseph Albani Metternich teilte diese Entscheidung sofort mit einem Gefühl spürbarer Erleichterung dem k. k. Botschafter in Rom mit100), indem er ihn zugleich beauftragte, sofort Schritte zur Erlangung des Agreement beim päpstlichen Staatsekretariat zu unternehmen. In einem gleichzeitig an Albani gerichteten Schreiben versuchte er die lange Verzögerung der Protektoratsangelegenheit, die fűi­den Kardinal immerhin befremdend sein mußte, durch Hinweise auf not­wendig gewesene Verhandlungen mit den übrigen Hofstellen zu entschul­digen101). In Wirklichkeit wurden aber überhaupt keine Verhandlungen über die Wiederbesetzung des Protektorates mit diesen Stellen geführt, diese Tatsache wurde ihnen erst nach Ausfertigung des Ernennungs­diplomes in Noten der Staatskanzlei mitgeteilt102). Kardinal Albani nahm die Ernennung mit unverhohlener Freude und Genugtuung zur Kenntnis, dies um so mehr, als er wegen der langen Verzögerung offenbar nicht mehr mit der Erfüllung dieses seines Wunsches gerechnet hatte 103). Wieviel ihm dieses Ehrenamt bedeutete, drückte er dem k. k. Botschafter gegenüber, der ihm die erfolgte kaiserliche Zustimmung zu seiner Ernennung mit­teilte, mit den bezeichnenden Worten aus: „Voilä mon Pontificat!“ 104). Der Tod des Papstes Pius VII. und das Konklave von 1823 105), in dem Albani von dem Rechte Österreichs auf die Exklusive Gebrauch machen *°) Resolution auf dem Vortrag vom 16. Februar 1823: „Bei den darge­stellten Umständen will Ich den Kardinal Albani zum Protektor der Kirchen des österreichischen Kaiserstaates ernennen, und ihm zugleich mein Secretum bei dem künftigen Wahl Conclave anvertrauen ... Pöggstall, den 6. August 1823. — St. K. Vorträge, Fasz. 343. 100) Weisung an Apponyi vom 12. August 1823: Tout ce qui concerne Mr. le Cardinal Albani est enfin arrange selon vos désirs ... entretemps vous aurez sóin d’informer Mr. le Cardinal Secrétaire d’Etat de cette nomination. St. K. Rom, adm. Weisungen, Fasz. 6. 101) Metternich an Albanni ddo. Wien, 12. August 1823: Ce dernier objet (Protectorat) étant plus particuliérement du ressort des départemens de l’Inter- ieur, il a été d’autant plus indispensable de les entendre, qu’il s’agissoit avant tout de décider de plus au moins de convenance de nommer de nouveau ä la charge de Protecteur des Eglises Autrichiennes aprés une vacance de tant d’années. — Ce n’est que depuis peu de jours que Sa Majesté a daigné me faire connoitre sa détermination souveraine et Votre Eminence s’expliquera facilement d’aprés cela, pourquoi je ne lui ai pás répondu plutöt, ainsi que je l’aurois désiré“. St. K. Rom, Varia, Fasz. 32. 102) Von Verhandlungen mit den Hofstellen findet sich in den Akten keine Spur, wohl aber wurde die erfolgte Ernennung den verschiedenen Hofkanzleien mit Zirkularnote vom 16. Dezember 1823 mitgeteilt. los) Albani an Metternich ddo. Rom, den 26. August 1823. St. K. Rom, Varia, Fasz. 32. >01) Bericht Apponyi’s vom 23. August 1823, Nr. 66 a. St. K. Rom, Berichte, Fasz. 29. ms) über das Konklave von 1823 und die Tätigkeit Albanis auf demselben vgl. Ch. Terlinden, Le Conclave de Leon XII. in Revue d’Histoire Ecclésiastique, Tome XIV, (1913), S. 272—303; ferner J. Schmidlin, Papstgeschichte der neuesten Zeit, I, S. 367 f.

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