Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
BLAAS, Richard: Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichischen Nation im 18. und 19. Jahrhundert
164 Richard Blaas Fall, die Gebühren auf die Hälfte herabzusetzen66). Kardinal Hrzan hatte das Protektorat in den Jahren 1780—1793 immerhin allein an Taxgebühren an die Reichskanzlei 10.000 fl. gekostet, rechnet man noch die Repräsentationsaufwendungen und die Besoldung eines Auditors dazu, so darf man seinen Angaben wohl Glauben schenken, daß er aus dem Protektorat noch nicht den geringsten Nutzen gezogen habe67). Die politischen Umwälzungen, die mit dem Beginn der französischen Revolution über Europa hereinbrachen, hatten sehr bald auch ihre Rückwirkungen auf die Stellung des Kardinalprotektors. Die Bedrohung Italiens durch die Armeen der französischen Republik enthüllte schonungslos die politische und militärische Ohnmacht des Kirchenstaates. Kardinal Hrzan verließ Rom Mitte des Jahres 1796, als die französischen Truppen in den Kirchenstaat einzurücken begannen. Er begab sich zunächst nach Görz und dann nach Graz, von wo aus er für die Vorbereitung des kommenden Konklave tätig war. Das Konklave in S. Giorgio zu Venedig 1799/1800 und die Lenkung der Papstwahl im österreichischen Interesse war seine letzte große diplomatische Aufgabe 68). Er hatte bereits zu Beginn des Konklaves gebeten, nach erfolgter Papstwahl sich von der diplomatischen Laufbahn zurückziehen zu dürfen, um sich auf seinen ihm vom Kaiser verliehenen Bischofsitz Steinamanger zu begeben69). Dieser Schritt dürfte ihm um so leichter gefallen sein, als er offensichtlich bei Kaiser Franz II. nicht sehr in Gunst stand, um nicht zu sagen, in Ungnade gefallen war, worüber er sich in einem vertraulichen Schreiben an Baron Thugut nicht ohne Bitterkeit beklagt. Diese Zurücksetzung mußte er um so schmerzlicher empfinden, als er bei den früheren Monarchen, bei Maria Theresia und Joseph II., eine ausgesprochene Vertrauensstellung eingenommen hatte 70). 66) Ebenda. Weisung an Hrzan vom 6. März 1794: „Inzwischen habe ich doch dem Kanzleipersonale die Billigkeit der Taxminderung, besonders bei der so schnell aufeinander gefolgten Erledigung des Kaiserthrones zu Gemüthe geführt, und dasselbe hat sich einstimmig entschlossen, sich mit der Helfte der gewöhnlichen Taxgebühren, nämlich mit 2000 fl. zu begnügen, wenn es E. E. gefällig sein sollte, solche anjetzo und in unzertrennter Summe zu entrichten“. 67) Ebenda. Bericht Hrzans an Colloredo vom 6. Dezember 1794, 68) Vgl. St. K. Rom, Varia Fasz. 66, Nachlaß Hrzan und St. K. Rom, Berichte 1800, Fasz. 302. Über das Konklave vgl. J. Schmidlin, Papstgeschichte der neuesten Zeit, 1. Bd. (1933)2, S. 16 ff. 69) Das ihm verliehene Bistum war nicht seinem Range entsprechend, es zählte zu den kleinsten und unbedeutendsten der Monarchie und Hrzan mußte schon in dieser Verleihung ein Zeichen der kais. Ungnade sehen. 70) „Votre Excellence aura vu de ma lettre confidentielle et pour Elle seule en date du 16 courr. combién je suis affecté de voir qu’on m’a déservit auprés de S. M. ... mais il est aisé de surprendre un Souverain par des faux rapports et mille autres moyens et cette perte m’est d’autant plus sensible que Ses augustes ancétres m’honorerent de leur bienveillance et j’ose dire confidence, dönt je n’ai jamais abusé, preuve de la situation désavantageuse oü je me trouve“ . . . Privatschreiben Hrzans an Thugut, Beilage zu Bericht Nr. XXXXI vom 20. IV. 1800, St. K. Rom, Berichte, Fasz. 302.