Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
BLAAS, Richard: Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichischen Nation im 18. und 19. Jahrhundert
Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österr. Nation im 18. u. 19. Jh. 163 einigte als letzter Kardinal — Minister noch einmal alle diese Würden in seiner Person. Er war der letzte Kardinalprotektor des deutschen Reiches. Diese Würde wurde für ihn allerdings zu einer unvorhergesehenen finanziellen Bürde; denn als 1790 Kaiser Joseph II. starb, wurde er von der Reichskanzlei umgehend aufgefordert, sein Protektorat bestätigen zu lassen und dafür neuerlich die Taxgebühren in der Höhe von 4000 fl. zu entrichten59). Kardinal Hrzan führte über diese Belastung bewegt Klage und betont, daß ihm das Protektorat in 6 Jahren nicht mehr eingetragen, als er bereits bei der ersten Verleihung an Taxen gezahlt habe60). Am 10. Januar 1791 wurde ihm das Protektoratsdiplom erneuert61) und er mußte die Gebühren zum zweitenmal erlegen. Als aber bald darauf auch Kaiser Leopold II. starb und ihm die Bezahlung der Gebühren für die Erneuerung des Protektoratsdiploms abermals zugemutet wurde62), erklärte er sich außer Stande, die Gelder auftreiben zu können. Er erbat sich zunächst eine Frist für die Einbringung seines Konfirmationsansuchens 63 ) und dann, als er die Bestätigung nolens volens 1793 von Kaiser Franz II. doch hatte erbeten müssen64), die Einräumung der Möglichkeit einer ratenweisen Abzahlung der Gebühren aus seinen laufenden Einnahmen aus dem Protektorat65). Das Personal der Reichskanzlei, für dessen Besoldung diese Eingänge bestimmt waren, fand sich schließlich über Vermittlung des Reichsvizekanzlers bereit, in diesem speziellen 59) Bericht Hrzans an Colloredo ddo. Rom, den 15. Dez. 1790. Darin berichtet Hrzan: „Ich verdanke schuldigst die Erinnerung, so Euer Liebden mir unter dem 29. abgewichenen Monats zu machen belieben der Erforderlichkeit, da ich um die Bestätigung des Protektorats der deutschen Nation und Geheimen Raths- Würde ansuche“. St. K. Rom, Varia, Fasz. 65. 60) Ebenda. Bericht Hrzans an Colloredo vom 15. Dez. 1790: „Meine Gesundheit wird täglich schwächer und ich möchte ohne Schulden sterben. Zu diesem allen muß ich noch beifügen, daß die Einkünfte der Protektorei nicht ansehnlich sind: sie bestehen blos in den zufälligen Propinen, die ich bei Bestätigung der neu erwählten Herrn Bischöfe und einiger Äbte geniesse; und die mir zugefallenen während der ersten sechs Jahre beliefen sich kaum auf die Taxe des Protektorats-Diploms“. 61) Konzept der Confirmatio Protectoratus in Reichshofkanzlei, Fasz. Protector atus. 62) Auszug aus einem Schreiben des Reichsvizekanzlers an Kardinal Hrzan ddo. Wien, den 11. Oktober 1792: „Euer Eminenz habe ich die Ehre hiemit zu erinnern, bey Sr. kais. Maj. dem Herkommen nach um die Bestätigung des deroselben verliehenen Protektorate der teutschen Nation, so wie auch der geheimen Ratswürde ansuchen zu wollen“. St. K. Rom, Varia, Fasz. 65. 66) Ebenda. Bericht Hrzans vom 3. Nov. 1792: „In diesen Umständen werden Euer Liebden vergeben, wenn ich verschiebe, um die Bestätigung des Protektorates der deutschen Nation anzuhalten“. 64) Konzept der Bestätigungsurkunde in St. K. Rom, Hofkorr. Fasz. 38. 65) Bericht Hrzans vom 12. Februar 1794 in St. K. Rom, Varia, Fasz. 65, Konv. Protektorat. 11*