Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

BLAAS, Richard: Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichischen Nation im 18. und 19. Jahrhundert

158 Richard Blaas 1758 war das Protektorat der deutschen Nation bereits wieder verweist: Kardinal Troyer war am 5. Februar 1758 gestorben. Um die erledigte Stelle bewarb sich zunächst Kardinal Rodt-Busmannshausen, Bischof von Konstanz45), in der irrigen Hoffnung, aus dem Protektorat eine Ein­nahmensteigerung erwarten zu dürfen, eine Hoffnung, die der Reichsvize­kanzler in der auf die Bewerbung bezüglichen Antwort gründlich zer­störte: „solche obgleich erhabene Würde jedoch von keinem Ertrag ist, massen die an sich eben nicht erheblichen Propinae von dem zu Rom sich befindlichen Comprotectore, nemlich dermalen von Cardinal Alexander Albani Eminenz dem bis nun hergebrachten Herkommen gemäß gezogen werden ... wobey auch noch E. Eminenz nicht zu bergen vermag, wie die Überkommung dieses Protektorates der bey dem kais. Reichs Tax Amt ab­zuführenden Tax zu 4000 fl. unterliege“ 46). Nach diesen wenig einladenden Eröffnungen hat der Kardinal von Konstanz seine Bewerbung nicht weiter verfolgt. Colloredo trug nun seinerseits durch Vermittlung seines dem Domkapitel von Passau angehörenden Sohnes Hieronymus dem Bischof von Passau, Kardinal Graf Lamberg, diese Würde mit beredten Worten an: „da aber hingegen diese an sich sehr ansehnliche Würde gar keine andere Ausgaben, als bloß die anfangs zu bezahlende Tax per 4000 fl. nach sich ziehet, so scheinet mir, daß Ihro Eminenz glorwürdigen Gedächt- nuß bei der Nachwelt abbrüchig sein würde, so vielen sich erworbenen Verdiensten nicht auch mehrgedachte Würde würklich besessen zu haben, um dadurch ein immerwährendes Denkmal zu hinterlassen, wie hoch sothane Ihre Verdienste bei dem hiesigen Hof und der gesamten teutschen Nation in Ansehen gestanden“ 47). Doch Kardinal Lamberg war offen­sichtlich nicht daran interessiert, das Amt des Kardinalprotektors der St. K. Rom, Varia, Fasz. 65. Ebenda auch eine Aufstellung über die Verteilung der Taxanteile, der von Kardinal Troyer bezahlten Gebühren“. 16. Septembris 1751. Ratione Protectoratus Nationis Germanicae pro Cardinale Troyer ad Can- cellariae Imperialis Aulicae Officium Taxae solutae fuerunt, pro Taxa qua officium honorificum ........nihil, p ro Domino Pro-Cancellario fl. 1333, X 20 pro Domino Secretario „ 666, „ 40 pro Juribus Cancellariae „ 2000,------­p ro Capsula „ 2, „ 30 „ 4002, „ 30 45) Kardinal Franz Konrad Rodt-Busmannshausen, Bischof von Konstanz, war kaiserlicher Kardinalminister beim Konklave von 1758. Über seine Tätigkeit vgl. Pastor, Geschichte der Päpste, Bd. XVI/1, S. 449 ff. 46) St. K. Rom, Varia, Fasz. 65, Reichsvizekanzler an Kardinal von Kon­stanz ddo. Wien, den 27. Februar 1758. 47) Ebenda. Reichsvizekanzler an Graf Hieronymus Colloredo wegen des Pro­tektorates der deutschen Nation für den Bischof von Passau. Ddo. Wien, den 1. März 1758.

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