Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

BONACKER, Wilhelm: Leben und Werk des österreichischen Militärkartographen Cyriak Blödner (1672–1733)

124 Wilhelm Bonacker nachzuweisen, verliefen, ebenso wie diejenigen, welche die Ingenieure Schuster und Selleisen angehen, ergebnislos. Es ist sehr wohl denkbar, daß B. auch als selbständiger Ingenieur tätig gewesen ist, Arbeiten im Auftrag für andere übernahm und an ihnen Kartographen wirksam werden ließ. Zu diesen Mitarbeitern dürften nach 1716 nicht nur seine zweite Frau, Anna Maria, von Beruf Malerin, sondern auch sein als Ingenieur ausgebildeter Sohn, Leopold Eberhard Christoph, gehört haben. Der Eintrag im Trauregister Nabern — wo von „einer be­rühmten und geschickten Kunstmahlerin“ gesprochen wird — läßt sogar vermuten, daß seine Frau bereits vor der Ehe für B. tätig gewesen sein dürfte. Hingegen wird von dem Ingenieur Johann Georg Meichsner, der in Landkarten der Jahre 1702—14 nachgewiesen werden kann, über den aber weiteres nicht in Erfahrung gebracht werden konnte, eine Bezug­nahme auf Originale Blödner’s für die Karten Nr. 1, 2, 6 und 11 ausdrück­lich vermerkt. Dieser Ingenieur muß sich sehr genau an die Originalzeich­nungen gehalten haben; die Zweitfertigungen gleichen in allen Teilen den von der Hand Blödner’s erhalten gebliebenen Karten. Es ist erstaunlich, diese auffallende Übereinstimmung im gesamten Kartenbild, bei einem Vergleich anderer Originalzeichnungen Blödner’s mit den Kopien Meichsner’s, vorzufinden. Alles spricht dafür, daß beide ihr kartographisches Rüstzeug in einem gleichen Ausbildungsgang erwarben, der gleichen Schule verdanken. Nunmehr wissen wir aber durch F. G r e n a- cher 670), der diesem Ingenieur-Leutnant ebenfalls nachgegangen ist, daß er, vor seiner Tätigkeit im Stabe Blödner’s, im Ansbachischen arbeitete, 1715—16 in Ungarn kartierte, wo er zum Hauptmann befördert wurde, aber bereits im Oktober 1716 starb. 67e) F. Grenacher: Die Anfänge d. Kartogr. am Oberrhein. (Basler Ztschr., 56. Bd., 1957, S. 67) — S. 102. — An die Persönlichkeit dieses Ingenieurs schien ein «Grundriß über die mit dem Nürnbergischen Pflegamt Lauf im Octfober] 1752 versteinte Fraisch-, Jagd- und Waldgrenze des Vogtamtes Schön­berg. Auf gnädigsten Befehl im Febr. 1753 gefertigt von dem Canz[lei]rat J. G. Hofmann» (kol. Hz., 50 X 54 cm, Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Karten u. Pläne Nr. 64) heranzuführen. Der Name M. erscheint — nach einer frdl. Mit­teilung von Staatsarchivdirektor Dr. F. Schnelbögl (Nürnberg) — zwar nicht auf der Karte; „Joh. Gg. Meichsner“ wird aber von J. Müller [Die Entwick­lung der Nürnberger Kartographie vom Ausgang des 15. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts (Katalog d. Hist.-geogr. Ausstellung d. 16. Dtsch. Geogr.-T. zu Nürnberg, S. 7), Nürnberg, 1907. — S. 29, Nr. 104)] als Mitverfasser des Grund­risses ausdrücklich genannt. Rein zeitlich gesehen konnte es sich bei diesem Mitarbeiter aber kaum um unseren Meichsner, sondern nur um einen Namens­vetter (Sohn oder Neffen?) handeln. Den Sachverhalt hat nunmehr Grenacher klar gestellt.

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