Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

SPRUNCK, Alphonse: Vizekanzler Johann Philipp von Cobenzl und der belgische Aufstand von 1790 nach seinen Berichten an Kaunitz

52 Alphonse Sprunck anzubahnen und im Falle des Mißerfolgs nach Wien zurückzukehren, vor­läufig aber in Luxemburg die Befehle des Staatskanzlers abzuwarten. Er war besorgt um das Schicksal des Generals Ferraris, den er längere Zeit nicht mehr gesehen hatte8); tatsächlich hatten die Brabanter Rebellen diesen am 16. Dezember in Freiheit gesetzt, nachdem er sein Ehrenwort gegeben hatte, nicht gegen sie zu kämpfen. Am 20. Dezember bestätigte Kaunitz dem Vizekanzler den Empfang seiner Briefe vom 13. und 14. Der Kaiser, dem er sie gleich vorgelegt hatte, hatte selbst auf den letzteren geantwortet. Am selben Tage sandte Cobenzl von Luxemburg dem Staatskanzler Auszüge aus Briefen, die er von Brüs­seler Vertrauensleuten über die Lage in dieser Stadt erhalten hatte, sowie einen gedruckten Bericht über den Einzug der Rebellen. Von Bonn hatte die kurkölnische Regierung am 18. Dezember geantwortet, sie könne für Luxemburg kein Korn liefern, da im eigenen Lande Mangel sei. Der Vize­kanzler bat Kaunitz ein für allemal, seine Angaben über militärische Ange­legenheiten dem Kriegsrat zu übermitteln, da er selbst im allgemeinen Wirrwarr mit Arbeit überladen sei. Regierungsräte, die sich nach Luxemburg geflüchtet hatten, bildeten dort im Einverständnis mit Cobenzl eine besondere Regierungskommission (jointe consultative), mit der Aufgabe, die Provinzen Luxemburg und Lim­burg, die als einzige noch von kaiserlichen Truppen besetzt waren, zu ver­walten 9). Diese tagte dort nur vom 17. bis zum 22. Dezember und wurde dann nach Trier verlegt aus den Gründen, die sich aus den Briefen des Vizekanzlers ergeben. Der damalige Erzbischof und Kurfürst Klemens Wenzeslaus war ein Bruder des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. Wie er als Oheim Ludwigs XVI. den französischen Emigranten großes Wohl­wollen zeigte, wollte er auch als Schwager der Erzherzogin Marie Christine der österreichischen Regierung Dienste leisten, zumal da er seine Würde der Fürsprache Maria Theresias verdankte. Bis zum 18. Februar 1790 führte diese Behörde den Titel Regierungskommission von Luxemburg und Trier. Da Cobenzl zu gleicher Zeit viele Besprechungen mit den luxembur- giscnen Ständen und dem Festungskommandanten Bender führte, machte er viele Reisen zwischen den beiden Städten. In einem langen Bericht meldete Cobenzl am 22. Dezember von Trier aus an Kaunitz, d’Alton habe Bender am 20. benachrichtigt, er würde vor­läufig in Arlon bleiben und ihm die Verteilung der Truppen in der Provinz 8) Graf Joseph Ferraris, geboren 1726 in Lunéville, gestorben in Wien 1814. In österreichischem Dienste zeichnete er sich aus in der Schlacht bei Hoch­kirchen. Als Feldzeugmeister in den Niederlanden veröffentlichte er eine auch heute noch sehr wertvolle Karte dieser Provinzen. Wegen seiner Verdienste in den Feldzügen gegen Frankreich erhielt er 1808 den Titel eines Feldmarschalls. '■•) Ein besonderes Kapitel über diese Kommission findet sich im zweiten Teil meiner Abhandlung: Le Duché de Luxembourg et la Révolution brabangonne.

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