Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)

Unbekannte Briefe P. Marco d’Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen 45 zentrierten Gebetes beobachten und die Kausalität des historischen Ablaufes keinesfalls ohne diese übernatürliche Komponente beurteilen darf, wenn auch profan-menschliche Ursachen hier mit einbezogen werden müssen: die Tatsache des Vorrückens des begabten Savoyers an den entscheidenden Posten, und auch die psychologische Wirkung des großen Gebetsturmes. Der Briefwechsel geht zu Ende mit einer Skizze der Kaiserkinder, die wohl das Interessanteste ist, was die Briefe uns bieten können. Hatte schon bei seinem Besuch in Wien vom Jahre 1695 P. Marco über die beson­ders herzliche Beziehung gesprochen, die zwischen dem jungen König Josef und ihm bestand, so konnte er zwei Jahre später ein ausgezeichnetes Urteil über den herangewachsenen Thronerben abgeben. La Majestä del Re da tutti li segni di dover rius(c)ir un Monarcha delli piü insigni habbi mai ha(v)uto il mondo, ha tutte le parti, che si possono desiderare in un gran Monarcha. Ama molto la nostra Religione, é sano e robusto. Der kleine Erzherzog Karl ist in allem das Abbild seines Vaters: Parimente il sere­nissimo Arciducha ha costumi et é bello come un Angielo, immita in tutto la Maesta dellTmperatore, et consola tutti quelli, ehe lo vedono. — Le serenissime Arciduchesse pure tutte belissime et tanto ben educate, che non le mancha niente et felici saranno quelli Prencipi, ehe li toccherano d’haverle °9). Aus den Briefen jener Jahre an den Kaiser geht hervor, daß P. Marco auch Sorge hatte um den vielversprechenden und begabten König Josef, der ein etwas leichtsinniges Naturell besaß. Der Kapuziner spornt den Kaiser an, möglichst bald seinen Sohn zu verheiraten und bei der Ehe­schließung mit Wilhelmine Amalia von Braunschweig-Lüneburg hatte er seine Hand mit im Spiel70). Mehr denn je ist der Kapuziner mit Wohlwollen überhäuft worden: ... Grandissimi e particularissimi sonno li favori, che io ho ricevuto dalle Maestä Cesaree, und er muß dankbar bekennen, daß der Kaiser ihn so gern zurückgehalten hätte. Aber wie gewöhnlich will er im September wieder in seine Provinz, nach Verona, heimkehren, aus den nämlichen, oft berührten Gründen: Alter, Vorbereitung auf den Tod, Abkehr vom Welt­leben. Mit einem Gruß von P. Cosmo und einer Empfehlung an den Be­gleiters Pontifesers, P. Tiburcius von Innsbruck, schließt der letzte Brief dieser Kapuzinerkorrespondenz am 18. August 1697. Wir wissen nicht den Grund zu deren Unterbrechung; — vielleicht sind weitere Briefe verloren gegangen. P. Marcus ist wirklich heimgekehrt, um weiterhin von ferne den Kaiser zu beraten, und erhielt im Frühjahr 1699 zum letzten Mal den päpstlichen Auftrag, nach Wien zu reisen, wo ihn nach kurzer Krankheit der Tod 00) Brief vom 18. August 1697. 70) Heyret, Markus von Aviano (Biographie), S. 399 ff.

Next

/
Oldalképek
Tartalom