Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

KRAMER, Hans: Fürstbischof Dr. Cölestin Endrici von Trient während des ersten Weltkrieges. Nach neu gefundenen Akten

Fürstbischof Dr. Cölestin Endrici von Trient 513 war aber auch deswegen so empört, weil er es durchschaute, daß er dadurch nur aus der christlichsozialen Partei und aus seiner Betätigung in der Politik in guter Form fortgebracht werden sollte; er wollte aber Politiker bleiben59). Überhaupt warnte P. Biederlack S. J., langjähriger Professor des kanonischen Rechtes in Innsbruck, früher Rektor des Collegium Germanicum in Rom, davor, einen Deutschen zum Bischof von Trient zu machen. Das sei nur das andere Extrem. Man solle einen loya­len und tüchtigen Welschtiroler in die Bischofswürde einsetzen. Jeden­falls müsse mit dem Irredentismus aufgeräumt werden60). Minister Hussarek befahl schon im Mai 1916, daß Endrici nicht mehr über die Dotationen aus dem Religionsfonds verfügen dürfe61). Der Studienbetrieb des Priesterseminars sollte in Trient vorder­hand aufhören. Ein Plan, die Alumnen des Seminars nach Görz zu brin­gen, mußte sofort fallen gelassen werden. So kamen schon im Jahre 1916 sämtliche Studenten des Trienter Priesterseminars, Deutsche und Italie­ner, mit Zustimmung des Brixner Fürstbischofs Dr. Egger nach Deutsch­tirol. Die deutschen Alumnen wurden in Brixen selbst aufgenommen, die italienischen erhielten in Milland bei Brixen ihr neues Heim. Der Unterricht aus Theologie wurde ihnen nun in Brixen geboten. Eine eigene Zustimmung der Römischen Kurie wurde nicht eingeholt. Die Trienter Fonde für das Seminar und die staatlichen Zuschüsse wurden nach Brixen überwiesen. Ungefähr die Hälfte der italienischen Studenten mußte ständig in Milland bleiben, da sie nicht auf Ferien in ihre Heimat gehen konnten, wohl weil diese im Frontgebiet lag oder zum preis­gegebenen Grenzgebiet des Trentino gehörte62). Endrici hat in seinem Hirtenbrief vom 19. Mai 1918 aufgefordert, am 7. Juni im Dom von Trient eine große Herz-Jesu-Feier zu veranstalten, wobei die Gläubigen für ihn beten sollten. Die Feier wurde von Eccheli zelebriert. Von den Austriacanti nahm nur Zorzi teil. Die 59) Anton Klotz, Dr. Ämilian Schöpfer, Innsbruck-Wien-München 1936, S. 214 ff., Diss. Eigentier. no) Prinz Schönburg (Botsch. b. Hl. Stuhl in Bern) an Min.Äuß. v. 9. Juli 1917 (Staatsarch.). 61) Aktennotiz Hussareks über die 1. Audienz Endricis bei ihm, Mai 1916 (Geh.Präs.A.Ibk.). Promemoria Hussareks vom Juni 1916 (Staatsarch.). 69) Zanolini, S. 171 f. Diss. Eigentier (nach diesem sollen auch italienische Mittelschüler des bischöflichen Knabenseminars in Trient ihre Prüfungen in Milland bei Brixen gemacht haben). Die zwei in Anm. 61 genannten Akten. Präs.Ibk. an Hussarek v. 24. Sept. 1916. Statthalter Toggenburg an Fürst­bischof Dr. Egger von Brixen v. 1. Juli 1916. Egger an Toggenburg v. 11. Juli (auch in Präs.K.Min. 2887 ex 1916) (sonst alles Geh.Präs.A.Ibk.). Egger an Hussarek v. 15. Juli 1916 (Präs.K.Min. 2887 ex 1916). Erzbischof Kaltner an Cwiklinski v. 24. Jan. 1918 (Staatsarch.) Hussarek an Toggenburg v. 15. Juni 1916 (Geh.Präs.A.Ibk.). Hussarek an denselben um 20. Juli 1916 (Präs.K.Min. 2887 ex 1916). Hussarek an Egger v. 19. Sept. 1916 (Geh.Präs.A.Ibk.). Mitteilungen, Band 9 33

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