Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)

42 Anna Coreth Königin dessen Sohn in Sondermission vorausfuhr 5?). Damals gelang es, die Königin zu veranlassen, ihren Gemahl zur Vernichtung des Testa­mentes zu Gunsten des bayrischen Prätendenten zu bewegen, welches ihm von Portocarrero abgenötigt worden war. Auch einem Sonderfrieden mit Frankreich konnte die Königin sich entgegensetzen. Tatsächlich schien man also in Wien auf sie bauen zu können und es ist nicht verwunderlich, wenn damals, im Sommer 1697, P. Marco schreiben konnte 57 58): ... do parte alia P. S. Revma ehe le Maesta Cesaree sonno molto contente della M. della Regina et conoscono molto bene, quanto Sua Majesta porti con cordialitä li avantaggi déllé M. Cesaree e dichiarano molto obbligate, come pure di V. P. Revma. Immer mehr wurde P. Gabriel von der Königin herangezogen, schließlich, nach Wisers Entlassung im Februar 1695 wurde er ihr Sekre­tär und Korrespondent mit anderen Höfen. Doch scheint er sich von den geheimen Geschäften der deutschen Clique völlig freigehalten zu haben. Er wird als die angesehenste Person am Hofe bezeichnet59). Wir sind etwas vorausgeeilt. Mittlerweile war die Lage in Ungarn nicht besser geworden. Abermals war im Sommer 1695 ein Feldzug gegen die Türkei verloren gegangen, doch glücklicherweise hatte diese versäumt, ihren Vorteil richtig auszumützen, wodurch größeres Unheil verhindert worden war. P. Marcus fühlte damals stark sein hohes Alter und war viel krank, daher hat der Kaiser ihm wieder erlassen, im Frühjahr 1696 nach Wien zu reisen60), trotz der kritischen Lage. Brieflich ist er aber weiterhin bestens informiert über die Zustände am kaiserlichen Hof und bei der Armee und aus seinen Briefen an P. Gabriel tönt weiterhin die schwere Sorge wegen des Unverständnisses in Wien: Gran cose sonno nella Corte ... Infolge der „eingetretenen Umstände“, meint der Pater am 11. Mai 1696, könne er auch nicht der Einladung Folge leisten, in der nächsten Fastenzeit (1697) in der Chiesa Nova zu Rom zu predigen, — eine Auf­forderung, die nicht das erstemal an ihn herantrat, die aber seit 1681 immer wieder durch Gegenwirkung franzosenfreundlicher Kräfte an der Kurie hinfällig geworden war61). 1686 konnte P. Marcus dem Kaiser berichten, es seien in Rom viele hohe Prälaten und Kardinäle, die ihn gern in der heiligen Stadt sehen würden, aber es gäbe auch solche, die ihn 57) Vgl. Adalbert v. Bayern, Bd. 2, S. 129 ff. A. Gaedeke, Das Tagebuch des Grafen Ferdinand Bonaventura von Harrach während seines Aufenthaltes am spanischen Hof in den Jahren 1697 und 1698 nebst zwei geheimen Instruktionen (Archiv für österr. Geschichte, Bd. 48, 1872, S. 163 ff.); derselbe, Die Mission des Grafen Aloys von Harrach an den spanischen Hof und seine Finalrelation an Kaiser Leopold I. 1697—1698. (Historische Zeitschrift, Bd. 29, 1873, S. 68 ff.) 58) Brief vom 18. Juli 1697. 59) Gaedeke, Mission, S. 80 f., Adalbert v. Bayern II, S. 104 f. °») Brief vom 11. Mai 1696. 61) Heyret, Markus von Aviano (Biogr.), S. 324 ff.

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