Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)
Unbekannte Briefe P. Marco d’Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen 41 P. Gabriel erlangen. Im Jahre 1699 wurde Archinto zum Erzbischof von Mailand und schließlich zum Kardinal erhoben. Indes bereiteten sich Ereignisse in Spanien vor, denen man bei deren Bekanntwerden vielleicht mehr Gewicht beimaß, als sie verdienten. Sie sind der Anlaß der Wiederaufnahme des Briefwechsels im Mai, da zunächst die Nachricht von der schweren Krankheit, dann von dem Tode der Königinmutter Maria Anna nach Italien dringt52 53). Diese wird von Marco d’Aviano als „besonders gute und verdiente Fürstin“ beklagt; tatsächlich hatte sie große Eigenschaften und die Art, wie sie ihre schreckerregende Krebskrankheit trug, war heldenhaft. Jedoch gab es keinen Zweifel, daß ihr Tod für Maria Anna und möglicherweise auch für die habsburgische Succession eine Chance bedeutete, umsomehr als sich die zweite, von Marco d’Aviano wie von vielen anderen mit Freuden begrüßte Nachricht als neuerliche Enttäuschung entpuppen sollte. Es hieß damals, die Königin sei nun tatsächlich in Erwartung 5S). Dieses Ereignis, meint P. Marco, levarebbe il pericolo di tanti mali, che soprastano alia povera Christianitä54). Es waren jedoch immer wieder aus propagandistischen Gründen derartige Gerüchte ausgesprengt worden, und es scheint daran P. Marco vielleicht etwas gezweifelt zu haben; doch eifert er die Königin an, weiter zur Mutter Gottes zu beten65), und auch als dieser Hoffnungsschimmer verging, hörte er nicht auf, ihr Mut zuzusprechen: nihil est impossibile apud Deum, läßt er der Königin durch den Beichtvater sagen, uind sie solle Messen lesen lassen von Priestern, die dem Himmel schon sehr nahe sind56). Bei der Unfähigkeit des Königs, die Regierung richtig zu führen, kam nun der Augenblick, da Maria Anna, die begabt und herrschsüchtig, doch zusehr empfindlich und zu wenig geradlinig war, zur eigentlichen Regentin wurde und es war nun entscheidend, wie sehr sie gewillt war, die habsburgischen Ansprüche wirklich durchzusetzen. Sie hatte sich unglücklicherweise mit dem mächtigen Primas von Spanien Kardinal Portocarrero überworfen und ebenso mit dem kaiserlichen Botschafter Grafen Wenzel Lobkowitz, wobei in beiden Fällen die Machenschaften von Berlepsch und Wiser irgendwie Schuld trugen. Um die Lage auszunützen, wurde vom Kaiser, leider nach langem Zögern, Ferdinand Bonaventura Graf Harrach als Botschafter für Spanien bestimmt, dem gleich nach dem Tode der alten 52) 11. Mai und 15. Juli 1696. Die Königinmutter war am 16. Mai an Brustkrebs gestorben. Vgl. darüber Adalbert v. Bayern, Bd. 2, S. 118 ff. 53) Brief vom 27. Juli 1696. ®4) Brief vom 15. Juli 1696. 55) Brief vom 27. Juli 1696. ... et anco sta nelle novelle, che la M. della Regina sij gravida .. . certo ch’é inesplicabile. Die Mönche von „la Merced“ in Barcelona richteten feierliche Gebete in dieser Intention an die Madonna. Vgl. Adalbert v. Bayern, Bd. 2, S. 119 f. 56) Brief vom 8. Mai 1697.