Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)

40 Anna Coreth der alten Freundschaft empfangen worden. Ohne alles Verdienst, meint er selbst, erhalte er jegliche Gunst von Seiten der Majestäten; besonders ist es der römische König, Josef I., der ihn liebt und ihm sein spezielles Wohlwollen zeigt47); aber auch Erzherzog Karl48 *), hat ihn in seiner Zelle aufgesucht, während er selbst sich mehrmals zu den jungen Erzherzoginnen begeben hat, die er als „belle come angieli, divotissime e virtuosissime“ bezeichnet uind die seine Besuche liebten46). In seinem Herzen bekennt Marco, habe er der Königin von Spanien zwei ähnliche kleine Prinzen und Prinzessinnen gewünscht. Man beachte den Takt dieser Bemerkung im Hinblick darauf, daß bei Aussterben der spanischen Linie Karl der kaiser­liche Thronprätendent war. Gott werde jedoch, fügt er hinzu, die Gebete so vieler Seelen erhören. Doch ist der Wienaufenthalt vor allem ausgefüllt durch größte Mühen, — m’affaticho quanto so e posso, — zu denen augenfälliger Anlaß und äußerste Notwendigkeit zwangen. Es war die Arbeit des Besprechens, Auf- munterns, Mahnens und Organisierens und wohl nicht sosehr seelsorgliche Tätigkeit. Wieder beteuert der Kapuziner50), er könne P. Pontifeser viele Dinge sagen, über die er staunen würde. Immer mehr gehe jetzt die Vor­macht auf jene über, welche die Weltherrschaft anstrebten und all dies könne unmöglich andauern, ohne große Verwirrung zum Schaden der Christenheit anzurichten. P. Marco hätte gern das Heer in Ungarn wieder besucht, aber das Alter von 64 Jahren erlaubt ihm dies nicht mehr; viel­mehr denkt er daran, Mitte August in seine Provinz zurückzukehren. Er übersendet P. Gabriel eine Empfehlung von dem neuen venetianischen Botschafter in Wien Carlo Buzzini51), der den Pater kennt und liebt und sehr verehrt, da er zuvor in Spanien akkreditiert gewesen war. Eine längere Pause liegt nun zwischen diesem und dem nächsten Schreiben, es geht zuvor das Jahr 1695 zu Ende. Der Grund des kurzen Briefchens vom 21. Jänner nächsten Jahres aus Venedig war die Anemp­fehlung des eben nach Spanien gereisten neuen apostolischen Nuntius Msgr. Giuseppe Archinto, Erzbischof von Tessalonich, der bisher Nuntius in Venedig gewesen war und dort anscheinend in enger Beziehung zu dem berühmten Kapuziner gestanden hatte. Jedenfalls nennt P. Marcus ihn mio singularissimo Patrone und spendet ihm hohes Lob. Er würde sicher­lich auch die größte Wertschätzung durch die Majestäten und durch 47) Io ricevo ogni favore contro ogni mi merito delle M. Ces., singularmente dalia M. del Re de Romani, chi mi ama et dimostra parciale affeto. Josef, geb. am 26. Juli 1678, war fast 17 Jahre alt. 48) Karl, geb. am 1. Oktober 1685, stand im 10. Lebensjahr. 46) Elisabeth, geb. am 13. Dezember 1680, war damals im 15. Lebensjahre, Maria Anna, geb. am 7. September 1683, war noch nicht 12 Jahre alt. 50) Brief vom 10. Juli 1695. sl) Er war vom Juli 1695 bis Mai 1699 Botschafter in Wien.

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