Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)
Unbekannte Briefe P. Marco d’Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen 39 Immer wieder tritt aber der große Prediger auch weiterhin in die Öffentlichkeit, um sich in der Seelsorgetätigkeit völlig zu erschöpfen. So bedeutete die Fastenzeit 1693 eine außerordentliche Anspannung, wir hören van den täglichen Predigten, die sich anscheinend in und bei Venedig abspielten, worauf von Ostern an in Padua, dem damaligen Heimatkloster Marcos, wieder ein stilles Leben begann, das scheinbar ohne wesentliche Unterbrechung den Sommer über dauerte. Am 14. September ist der letzte Brief aus Padua abgeschickt, am 28. September der nächste aus Venedig, von wo auch der Kaiser am 2. Oktober Nachricht erhielt. Solche Wechsel des Aufenthaltes sind immer mit Predigtaufträgen verbunden. Questo prossimo Avvento son destinato per predicare nella Cittä di Capodistria e nella quadragesima nella Cittä di Venetia, ma mi trovo molto abbatuto e distituto di forze, havendo ha(v)uto anco alcuni termini di febre onde non so, quello posso fare. Diese Zeilen waren am 11. September 1693 an P. Gabriel geschrieben. Trotz seines schlechten Zustandes ist Marco also wenige Tage darauf auf seine Predigtournée gegangen, die mit dem großen Adventzyklus in Capodistria endete44). Im Jänner hat er sein Standquartier nach Venedig verlegt, wo er auch seinen Fastenzyklus hielt und von wo er sehr erschöpft zu Ostern nach Padua zurückkehrte, mit dem erneuten Entschluß, hier das Leben über zu bleiben und nicht mehr nach Wien zu reisen45 *), von wo dauernd Rufe des Kaisers kamen. Doch es geschah anders. Auf die Dauer war es nicht möglich, sich abseits zu halten und so teilt P. Marco schon am Ende des Jahres 1694 seinem Mitbruder mit, daß die Bitten Leopolds so intensiv geworden wären, daß er beschlossen habe, ihnen nach Ostern zu folgen. Als P. Marcus diesen Brief schreibt, im Advent 1694, hat er eine Zeit schwerer Krankheit hinter sich: zwei Monate lang hatte er, sowie auch sein Begleiter P. Cosmo, am doppelten Terzanfieber gelitten, jetzt aber ist er wieder fähig, die Adventpredigten in Gargnano abzuhalten49), und nach einer neuerlichen Predigertätigkeit in der Fastenzeit in Tuscolano macht er sich doch wieder auf den Weg. — Die elf Briefe der folgenden Jahre, vom 29. April 1695 bis zum 18. August 1697, erstrecken sich über zwei Wienreisen und den dazwischenliegenden Zeitabschnitt; es wird daher wohl nötig sein, den dreimaligen Situationswechsel stärker zu berücksichtigen und die für uns interessanten Wiener Briefe entsprechend geschlossen hervortreten zu lassen. Der erste Brief aus der Kaiserstadt, geschrieben am 29. April 1695, zeigt nur kurz die Ankunft an und enthält einen Dank für gute Nachrichten vom spanischen Königspaar. Erst am 10. Juli erfolgt ein interessanter kleiner Bericht über die Wiener Eindrücke. Persönlich ist P. Marcus nach drei Jahren wieder mit 44) Von dort ist der Brief vom 16. November datiert. 4r>) 15. Jänner und 30. April 1694. 4U) Datiert Gargnano (Tag unleserlich).