Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)

Unbekannte Briefe P. Marco d’Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen 31 Wenn man die Worte Marco d’Avianos liest und sich den Adressaten vergegenwärtigt, hat man jedoch sehr oft das Empfinden, es stünde zwischen den Zeilen zugleich ein Wink für P. Gabriel. Warum betont er das Schweigen so oft? War es nicht vor allem in der schwierigen Lage der Deutschen in Spanien geboten? Gerade die Betonung seiner freund­schaftlichen Haltung zu dem Jesuitenorden scheint mir richtungsweisend für den Nachfolger des Jesuitenpaters Rhem. Marcus sieht auch voraus, daß es Pontifeser in seiner Stellung nicht an Kummer und falschen Anschuldigungen fehlen werde, da der Neid ein wildes Tier sei20). Dies prophezeit er ihm beim Antritt seines Amtes. Diese Warnungen haben P. Gabriel anscheinend etwas erschreckt und Zweifel über die Richtigkeit seines Bleibens beim Hofe hervorgerufen, da doch Marco sich zurückgezogen hatte. Die Antwort klingt beruhigend: Da nicht P. Gabriel sich selbst, sondern da Gott ihn zum Wohl der Königin, des Ordens und der Christenheit auf diesen Platz berufen habe, möge er vertrauen, daß es so am besten sei und sich mit dem Willen Gottes trösten: non li mancherano delle traversie, ma Dio, che l’ha elletta, l’aiuterä e sostenterä 21). Die Schwierigkeiten ließen nicht lange auf sich warten und am 11. Juli 1693 schon weist P. Marcus auf die Wichtigkeit hin, bei solchen Anfech­tungen selbst keine Schuld auf sich zu laden und die Geduld zu bewahren, ohne die der ewige Lohn nicht zu erlangen ist. Dies seien nur geringe Dinge im Vergleich zu den großen, die (sonst) geschehen. Die verdorbene Welt bringe solche Ereignisse mit sich. Er wundere sich nicht, sagt er in einem weiteren Brief vom 11. September dieses Jahres, daß der Pater die Zielscheibe von bösen Reden und Falschheit geworden sei; er solle sich aber auf noch Größeres vorbereiten und sich in Gott und in dem Bewußt­sein der Aufrichtigkeit seiner Gesinnung Trost holen, denn niemand anderer könne ihm helfen und ihn aufrichten, als Gott, — wenn nicht im Leben, so im Tode und in der Ewigkeit. Die Gründe dieser Feindseligkeiten deutete ich oben an: der Beicht­vater der Königin stand naturgemäß Gräfin Berlepsch und Wiser nahe22), die sich zum Teil berechtigterweise großer Unbeliebtheit erfreuten. Zudem agitierte die französische Partei in jenen Jahren schon heftig zugunsten der bourbonischen Thronfolge. 20) Brief vom 16. August 1692. 21) Brief vom 2. Oktober 1692. 22) Der Nachlaß P. Pontifesers im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien enthält auch 32 Briefe der Gräfin Berlepsch an den Pater aus den Jahren 1695—97 (Habsburg. Familienkorrespondenz A, Kart. 50). Vgl. Prinz Adalbert von Bayern, Bd. 2, besonders die Abschnitte S. 76 ff. und 198 ff.

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