Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

BAXA, Jakob: Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815–1824

Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815—1824 149 — niemals mit der zweiten Majestät verwechselt wird, und daß man dort das Andenken der Toten auf die herrlichste und beruhigendste Weise zu ehren weiß, ohne sie jedoch nach Art des ewigen Juden für immer auf der Erde und in den menschlichen Verhältnissen umherzuschleppen: — Ich kann mich der Ahndungen heilsamer Folgen nicht erwehren.“ Alexander Dombrowsky, der erste Biograph Adam Müllers, fällt das Urteil: „Gentz hat ganz recht, wenn er schreibt, daß sich Müller eigentlich für nichts so sehr interessiere, wie für die preußischen Staatsangelegen­heiten. Man braucht nicht gerade mit Treitschke zu sagen daß er das mit dem Haß des Renegaten tut. Er redet sich noch immer eine Sympathie für das aufgegebene Vaterland ein, eine Neigung allerdings recht zweifelhafter Art, die sich mit ihrer Unzufriedenheit mit dem Stande der inneren und äußeren preußischen Angelegenheiten ganz gut mit jeder Art preußen­feindlicher Politik verträgt“ 16). Adam Müller hat es dem Kanzler Hardenberg niemals verziehen, daß er von ihm nach Wien verwiesen wurde: Es war der Traum seines Lebens gewesen, in Preußen eine ähnliche politische Rolle zu spielen wie Niebuhr, Schleiermacher, Theremin und Ancillon. Adam Müller ist niemals Öster­reicher geworden, er lebte insgesamt auch nur vier Jahre in Wien. Am 25. Oktober 1813, mitten im Feldzug in Südtirol, wo Adam Müller unter lauter Tiroler Bauern, Frimont-Husaren und Szeklern der einzige Preuße war, schreibt er voll Stolz an seinen Berliner Freund Stägemann: „Der Ruhm der Preußen hat sich bis tief in Italien so verbreitet, daß es schon jetzt keine größere Ehre gibt, als ein Preuße zu sein“ 17). Trotz seinem frühzeitigen Übertritt zum Katholizismus im Jahre 1805, trotz seiner späteren ausgedehnten katholischen Propaganda, trotz seiner Schützenhilfe für den Herzog Ferdinand im preußisch-anhaltischen Zollkampf, wodurch er den Haß aller preußischen Staatsmänner und des preußischen Königs auf sein Haupt beschwor, der ihn auch für den Übertritt des Herzogspaares von Anhalt-Köthen zum Katholizismus verantwortlich machte — im tiefsten Herzen ist Adam Müller immer ein Preuße geblieben. i«) Alexander Dombrowsky, Aus einer Biographie Adam Müllers, Göttingen 1911, S. 19 f. 17) Baxa, Adam Müller, S. 284.

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