Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
BAXA, Jakob: Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815–1824
Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815—1824 143 sehen Majestät“. Anläßlich der späteren Vermählung am 13. Juni 1817 trat die Prinzessin zur griechischen Kirche über und erhielt den neuen Namen Alexandra Feodorowna. Daß diese Familienverbindung vom Volke nur ungern gesehen wurde, gaben die kecken Berliner ihrem König auf unzweideutige Weise zu erkennen. Adam Müller berichtet am 22. Dezember 1815: „Im Theater zu Berlin ist vor einigen Tagen wieder in Gegenwart des Königs die Stelle eines Schauspiels: ein deutscher Mann gibt seine Tochter keinem Ausländer auf eine so unmäßige und unanständige Weise beklatscht worden, daß der König sich bald darauf das Theater zu verlassen genötigt sah.“ Eine solche Gesinnung bestand aber auch in der Armee, die seit ihrer Rückkehr aus dem Felde im Dezember 1815 eine tonangebende Rolle spielte. Wir hören von einer Herausforderung und Mißhandlung des Geheimrates Schmalz von seiten einiger preußischer Gardeoffiziere, wobei in Cottas „Deutschem Beobachter“ zu Hamburg die preußischen Garden unbedenklich die Wortführer des Volkes genannt werden. „Es bleibt also nur die Armee“, schreibt Adam Müller am 22. Dezember 1815 an Metternich, „und in der Armee die rohe Popularität des Marschall Blücher, von wo aus ein revolutionärer Impuls zu erwarten wäre. Ich habe deshalb alte Verbindungen bei Gelegenheit der preußischen Truppendurchmärsche, insbesondre eine frühere vertrauliche Bekanntschaft mit dem Generallieutnant Thielmann, den Obersten Pfuel, Miltiz u.s.f. benützt, um über diesen Gegenstand möglichst klar zu sehen. Das, worin alle Übereinkommen, ist ein an Abscheu grenzender Haß gegen die Russen (nebenher gegen England) und eine unverhaltene Freude über das Gerücht von lebhaften Differenzen zwischen Österreich und Bayern bei Gelegenheit der Besetzung von Landau, als woraus man Hoffnung einer engeren Verbindung zwischen Preußen und Österreich schöpfen will... General Thielmann versichert mich, daß die Überzeugung, daß in einer engeren Verbindung mit Österreich allein die Rettung von Preußen liegen könne, so allgemein sei, daß er mit seinem Kopfe dem König für den ganz unbedingten Gehorsam der Armee in allen gedenkbaren Rücksichten bürge, wenn dieses engere Bündnis zu erreichen sei.“ Diese Idee einer engen Verbindung von Österreich und Preußen stammt von Adam Müllers Freund Gentz; sie ist zuerst in den dunklen Tagen der napoleonischen Bedrückung aufgetaucht und auch Metternich hat zeitlebens an diesem politischen Grundsatz festgehalten. Thielmann und Pfuel waren alte Freunde Adam Müllers aus seiner Dresdener Zeit. Pfuel gehörte zu den Geldgebern des Joumales für die Kunst „Phöbus“, das Heinrich von Kleist und Adam Müller gemeinsam herausgaben und Thielmann ermöglichte als Kommandant der sächsischen Vorhut Adam Müller die Flucht aus Dresden vor der Rache der Franzosen, nachdem er sich 1809 während der Besetzung durch den Fürsten Lobkowitz für Österreich betätigt hatte. Obwohl Thielmann als sächsischer Rhein-